Die Fassade bröckelt nicht nur sprichwörtlich: Ein Lokalaugenschein von Vertreterinnen der Grünen im Bozner Gefängnis hat erneut dringenden Handlungsbedarf aufgezeigt. Die Landtagsabgeordnete Brigitte Foppa und die Gemeinderätin Chiara Rabini nutzten die heißen Augusttage, um sich wie schon in den Vorjahren ein Bild von der Lage in der Strafanstalt in der Dantestraße zu machen. Ihr Fazit ist zwiegespalten: Während erste Sanierungsarbeiten an Dach und Fassade zu begrüßen sind, überdecken diese kaum die tiefgreifenden Probleme im Inneren.
Kritische Infrastruktur und akuter Personalmangel
Der Zustand des Gebäudes bleibt desolat. Besonders prekär sind die hygienischen Verhältnisse: Auf rund 100 Häftlinge kommen gerade einmal neun Duschen. Diese räumliche Enge verschärft die ohnehin angespannte Situation und stellt für viele Insassen, von denen etliche unter psychischen Problemen leiden, eine enorme Belastung dar. Zusätzlich spitzt sich die personelle Lage dramatisch zu. Von den eigentlich vorgesehenen 80 Stellen für Gefängniswärter sind aktuell nur 40 besetzt. Die anwesenden Beamten leisten engagierte Arbeit, können den massiven Mangel aber nicht kompensieren und arbeiten selbst am Limit. Ein strukturelles Problem sehen die Kritiker auch in der Verwaltung: Da die zuständige Gefängnisbehörde im fernen Padua sitzt, entstehe der Eindruck, der Standort Bozen werde systematisch vernachlässigt.
Ferne Zukunftspläne
Die Delegation, die vom Anwalt Fabio Valcanover begleitet wurde, äußerte eine weitere Befürchtung. So positiv die angelaufenen Renovierungsarbeiten auf den ersten Blick wirken, so sehr deuten sie doch darauf hin, dass ein lange diskutierter Neubau in weite Ferne rückt. „Der Zustand einer Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht“, betonte Foppa. Die Bedingungen für die Häftlinge müssten sich so schnell wie möglich verbessern. Nach diesem Besuch sei jedoch klar, dass der Weg dorthin noch ein sehr weiter ist.




















