Die sensible Debatte um die Toponomastik in Südtirol ist erneut mit voller Wucht entflammt. Die Süd-Tiroler Freiheit wirft Alessandro Urzì, dem Vorsitzenden der einflussreichen Sechserkommission und Politiker der Fratelli d’Italia, vor, mit neuen Vorstößen die Verwendung der in der Mussolini-Ära eingeführten italienischen Ortsnamen weiter festschreiben zu wollen. Die Kritik richtet sich dabei auch scharf gegen die Südtiroler Volkspartei (SVP), die als Koalitionspartner der FdI in der Landesregierung agiert und sich dem Vorwurf der Untätigkeit ausgesetzt sieht.
Vorwurf der „Italianisierung“ gegen Urzì
Kritiker sehen in den Bestrebungen Urzìs den Versuch, die sogenannten tolomeischen Namen, die sie als faschistische Erfindungen und „Kulturverbrechen“ bezeichnen, endgültig zu zementieren. Sie argumentieren, dass historisch gewachsene Orts- und Flurnamen Teil der Kultur seien und nicht willkürlich „übersetzt“ oder durch politisch motivierte Neuschöpfungen ersetzt werden könnten. Urzìs Ziel sei es, so der Vorwurf, unter dem von ihm forcierten Begriff „Alto Adige“ den Anschein einer rein italienischen Region zu erwecken und die historischen deutschen sowie ladinischen Bezeichnungen systematisch zurückzudrängen.
SVP wegen angeblicher Passivität in der Kritik
Besonders die Südtiroler Volkspartei (SVP) steht im Kreuzfeuer der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, sich der Agenda ihres Koalitionspartners nicht entschieden genug entgegenzustellen. Als jüngstes Beispiel wird die angebliche Unterstützung der SVP für Urzìs Forderung genannt, den Begriff „Alto Adige“ auch im Deutschen als offizielle Teilbezeichnung für die Region zu verankern. Der Toponomastikexperte der Süd-Tiroler Freiheit Christian Kollmann bezeichnet die Haltung der SVP als „mutlos“ und wirft ihr vor, sich zum „Steigbügelhalter“ nationalistischer Interessen zu machen. Es herrscht die Sorge, dass die SVP in dieser für die Autonomie zentralen Frage der kulturellen Identität weiter nachgeben könnte.




















