Der aktuelle Nachtragshaushalt für das Jahr 2025 beschert Südtirol ein sattes Plus von über 800 Millionen Euro und versetzt die Region damit in eine beneidenswerte Finanzlage. In seiner Rede im Landtag zeigte sich der SVP-Abgeordnete Franz Locher zwar weitgehend optimistisch, betonte jedoch, dass man sich trotz der vollen Kassen nicht zurücklehnen dürfe. Er sprach sich für notwendige Investitionen aus und präsentierte Vorschläge für künftige Entwicklungen.
Besonders die Landwirtschaft profitiert mit über 116 Millionen Euro von einem kräftigen Zuschuss, der dringend benötigt wird. Zwar hat sich die Stimmung durch positive Entwicklungen in der Milch- und Viehwirtschaft gebessert, doch kleine landwirtschaftliche Betriebe bleiben angespannt. Viele Bauern sind auf einen Nebenverdienst angewiesen. Locher forderte Maßnahmen, um die landwirtschaftliche Tätigkeit auf den Höfen zu erhalten und zu verhindern, dass der Nebenerwerb zum Hauptberuf wird. Er appellierte zudem, die notwendigen Mittel bereits im Haushaltsvoranschlag zu berücksichtigen, um eine bessere Planbarkeit zu ermöglichen. Darüber hinaus schlug er halbjährliche Auszahlungen der Förderungen aus dem Ländlichen Entwicklungsplan vor.
Erfreut zeigte sich Locher auch über die Mittel für das ländliche Wegenetz, das für die Erschließung vieler Bergbauernhöfe von elementarer Bedeutung ist. Er unterstrich den unschätzbaren Beitrag der Bergbauern zur Kulturlandschaft. In diesem Zusammenhang sieht er auch großes Potenzial in der Einführung eines Tourismus-Euros, der zur Unterstützung der Bergbauern und damit zur Pflege der Kulturlandschaft eingesetzt werden könnte – ein Ziel, das auch im Regierungsprogramm festgeschrieben ist.
Hinsichtlich des Tourismus mahnte Locher mutige Entscheidungen an. Angesichts überfüllter Sehenswürdigkeiten und eines gestiegenen Verkehrsaufkommens haben Einheimische oft das Gefühl, nicht mehr „Herr im eigenen Land” zu sein. Er schlug vor, sich an anderen Regionen wie Nordtirol zu orientieren, wo Radwege beispielsweise an Forststraßen enden und Wanderwege ausschließlich für Wanderer vorgesehen sind. Es gehe darum, dem Tourismus wieder mehr Akzeptanz zu verschaffen und Respekt für Mensch und Natur zu zeigen. Zum Thema Wolf konstatierte Locher eine festgefahrene Diskussion, bei der die Bürokratie der ISPRA (Italienisches Institut für Umweltschutz und Forschung) den Fortschritt bremse.
Ein beachtlicher Teil des Nachtragshaushalts fließt in die Anpassung der Löhne im öffentlichen Dienst – eine längst überfällige Maßnahme, um diese Arbeitsplätze attraktiver zu machen. Locher forderte zudem eine kompaktere Gestaltung des Systems, die Schaffung von Synergien und eine effizientere Abwicklung von Verfahren. Auch der Breitbandausbau müsse vorangetrieben werden, um die Wettbewerbsfähigkeit außerhalb urbaner Zentren zu sichern. Das Ziel, 90 Prozent des Breitbandnetzes bis Ende 2026 fertigzustellen, sei zwar ambitioniert, aber essenziell.
Als ehemaliger Gemeindeverwalter begrüßte Locher die zusätzlichen Mittel für die Gemeindefinanzierung, die dringend für Infrastrukturmaßnahmen benötigt werden. Ungelöst bleibt jedoch das Problem der Finanzierung von Sicherungsmaßnahmen in roten Zonen außerhalb von Ortskernen. Hier fordert Locher staatliche Unterstützung, da die Kosten für die Betroffenen enorm sind.




















