Rom – Vor dem Welttag am 10. Oktober hat die Debatte über psychische Gesundheit in Italien neue Aufmerksamkeit erhalten. Massimo Cozza, Leiter der Abteilung für psychische Gesundheit des Gesundheitsbetriebs ASL Roma 2, schätzte die Zahl der Menschen mit psychischen Störungen auf rund acht Millionen. Die Angabe ist eine Hochrechnung aus internationalen Studiendaten und keine Zählung aller Betroffenen in Italien. Gleichzeitig bereiten Kommunen Veranstaltungen vor, die über Hilfsangebote informieren und gesellschaftliche Ausgrenzung abbauen sollen.
Cozzas Einordnung stützte sich auf eine internationale Untersuchung, die im Fachjournal The Lancet veröffentlicht wurde. Von dieser Schätzung zu unterscheiden ist die amtliche Versorgungsstatistik: Der Bericht des italienischen Gesundheitsministeriums erfasste für 2024 insgesamt 845.516 erwachsene Nutzer psychiatrischer Dienste. Die Datenlieferung war zudem unvollständig: Angaben aus den Abruzzen fehlten, jene aus Molise lagen nur teilweise vor. Die Zahl beschreibt damit die im Bericht dokumentierte Versorgung und nicht die Häufigkeit psychischer Erkrankungen in der gesamten Bevölkerung.
Psychische Gesundheit zwischen Versorgung und Teilhabe
Der Ministeriumsbericht verzeichnete 272.497 neu aufgenommene Nutzer im Jahr 2024. Davon waren 258.999 zuvor noch nie dort behandelt worden. Insgesamt dokumentierte der Bericht 135 Abteilungen für psychische Gesundheit. Diese Angaben zeigen die Größenordnung der spezialisierten Versorgung. Sie lassen sich jedoch nicht einfach von einer Schätzung sämtlicher Erkrankter abziehen: Erfasste Behandlungen und geschätzte Erkrankungshäufigkeit beruhen auf unterschiedlichen Grundlagen. Daraus lässt sich keine verlässliche Quote unbehandelter Menschen errechnen.
Wie der Welttag vor Ort umgesetzt wird, zeigte das am Dienstag vorgestellte Programm von Florenz. Die Stadt organisiert gemeinsam mit dem Gesundheitsdienst und weiteren Beteiligten Angebote in allen fünf Stadtvierteln. Geplant sind Spaziergänge, Begegnungen, Informationsstände und Workshops. Am 10. Oktober soll die David-Nachbildung auf dem Piazzale Michelangelo grün beleuchtet werden; historische Stadttore erhalten die Aktionsfarbe am 9. und 11. Oktober. Die Veranstaltungen verbinden die Information über psychische Gesundheit mit der Möglichkeit, außerhalb medizinischer Einrichtungen miteinander ins Gespräch zu kommen.



















