Rom – Psychische Gesundheit und der Zugang zu Behandlung sind zum Welttag am 10. Oktober in Italien erneut in den Mittelpunkt gerückt. Fachleute fordern eine engere Zusammenarbeit zwischen psychiatrischen Einrichtungen, Hausärzten und den neuen wohnortnahen Gesundheitszentren. Massimo Cozza, Leiter des Bereichs psychische Gesundheit bei der Gesundheitsbehörde ASL Roma 2, schätzt die Zahl der Menschen mit psychischen Störungen in Italien auf etwa acht Millionen. Die Zahl beruht auf einer Übertragung internationaler Daten und ist keine amtliche Zählung italienischer Erkrankungsfälle.
Eine andere Größe liefert der Bericht des Gesundheitsministeriums: Die öffentlichen Dienste für psychische Gesundheit betreuten 2024 insgesamt 845.516 Erwachsene. Diese Zahl beschreibt die Nutzung eines bestimmten Versorgungsbereichs. Sie erfasst weder sämtliche Erkrankten noch die gesamte private Behandlung. Aus dem Vergleich mit der Acht-Millionen-Schätzung lässt sich deshalb kein verlässlicher Anteil unbehandelter Menschen errechnen. Zudem reichen die beschriebenen Beschwerden von Angststörungen und Depressionen bis zu schwereren psychischen Erkrankungen.
Psychische Gesundheit braucht wohnortnahe Unterstützung
Die Italienische Gesellschaft für Psychiatrie, Società italiana di psichiatria, setzt auf eine stärkere Verbindung der bestehenden Dienste. Dazu gehören die psychiatrischen Gesundheitszentren, die Hausarztversorgung, Familienberatungsstellen und soziale Angebote. Auch Menschen mit eigener Krankheitserfahrung sollen in die Weiterentwicklung einbezogen werden. Die vorgesehenen Case della Comunità, wohnortnahe Gesundheitszentren für mehrere Angebote, können dabei eine zusätzliche Anlaufstelle bilden. Sie ersetzen die spezialisierten psychiatrischen Einrichtungen jedoch nicht.
Der Ausbau ist noch nicht abgeschlossen. Nach den für 2025 angeführten Daten verfügten 781 der insgesamt 1.715 vorgesehenen Case della Comunità über mindestens einen aktiven Dienst. Von diesen 781 Zentren boten 334 Unterstützung im Bereich psychischer Gesundheit an, also rund 43 Prozent. Der Anteil bezieht sich auf die Zentren mit mindestens einem Angebot und nicht auf alle geplanten Einrichtungen. Die Zahlen verdeutlichen, dass der Aufbau allgemeiner Gesundheitsangebote und die Verfügbarkeit psychischer Unterstützung getrennt betrachtet werden müssen. Zum Welttag wurde außerdem der Leitfaden „Informare sulla salute mentale“ vorgestellt. Das Istituto Superiore di Sanità, Italiens oberstes Gesundheitsinstitut, entwickelte ihn mit Partnern aus Medien und Gesundheitsversorgung. Er soll eine sachliche Berichterstattung fördern und Stigmatisierung entgegenwirken. Die öffentliche Debatte betrifft damit neben den Strukturen auch die Sprache: Psychische Erkrankungen sollen verständlich beschrieben werden, ohne Betroffene auf ihre Diagnose zu reduzieren.



















