Rom – Neue Krebsmedikamente sind in Italien im Mittel 470 Tage nach ihrer europäischen Zulassung verfügbar. Auf diese für 2025 ausgewiesene Zeitspanne hat die italienische Gesellschaft für medizinische Onkologie AIOM bei einer Pressekonferenz zum europäischen Onkologiekongress ESMO in Madrid aufmerksam gemacht. Die rund 15 Monate beschreiben den Weg einer zugelassenen Therapie in die Versorgung. Sie sind keine durchschnittliche Wartezeit eines einzelnen Patienten nach einer Krebsdiagnose.
Der Vergleich zeigt eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr: Für 2024 wurden in Italien 441 Tage ausgewiesen. Auch der europäische Durchschnitt stieg, von 586 auf 655 Tage. Italien liegt bei diesem Zeitmaß damit unter dem europäischen Mittel. Die Onkologen halten die Dauer dennoch für zu lang und verlangen schnellere Verfahren, damit neue Behandlungsmöglichkeiten früher genutzt werden können.
Bei der Zahl tatsächlich verfügbarer Präparate gehört Italien zugleich zur europäischen Spitzengruppe. Von den zwischen 2021 und 2024 europäisch zugelassenen onkologischen Medikamenten waren 89 Prozent in Italien verfügbar. Deutschland erreichte 91 Prozent, Österreich 86 Prozent. Für Spanien wurden 73 Prozent und für Frankreich 68 Prozent genannt. Der Anteil verfügbarer Medikamente und die Dauer bis zum Marktzugang messen unterschiedliche Aspekte der Versorgung.
Warum neue Krebsmedikamente später verfügbar werden
AIOM-Präsident Massimo Di Maio verwies auf zusätzliche Schritte nach der Entscheidung der italienischen Arzneimittelagentur AIFA über die Erstattung. Regionale Arzneimittelverzeichnisse, klinikinterne Freigaben und die Beschaffung könnten den tatsächlichen Zugang weiter verzögern. Eine europäische Zulassung allein bedeutet daher noch nicht, dass ein neues Präparat unmittelbar im Krankenhaus eingesetzt werden kann.
Die Fachgesellschaft fordert, onkologische Innovationen nach der Veröffentlichung der Erstattungsentscheidung im italienischen Gesetzblatt Gazzetta Ufficiale schneller bereitzustellen. Der Appell richtet sich auf die Organisation des Zugangs und auf nachgelagerte Verwaltungsverfahren. Vorgestellt wurden die Zahlen am Freitag, 23. Oktober; der europäische Krebskongress in Madrid läuft vom 23. bis zum 27. Oktober.



















