An Italiens Stränden herrscht Alarmstimmung. Berichte über einen Besucherrückgang von bis zu 30 Prozent in den Monaten Juni und Juli sorgen für eine hitzige Kontroverse, die die gesamte Tourismusbranche spaltet. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob unverschämt hohe Preise für Liegen und Sonnenschirme die Ursache für die Flaute sind oder ob die Gründe tiefergreifender sind.
Den Stein ins Rollen brachte unter anderem der italienische Schauspieler Alessandro Gassmann mit einem in den sozialen Medien vielfach geteilten Beitrag. „Liebe Freunde, Betreiber von Strandbädern, Habt ihr vielleicht mit den Preisen etwas übertrieben?”, fragte er provokant und löste eine Welle der Zustimmung aus. Verbraucherverbände wie Codacons stimmen in die Kritik ein, sprechen von „Krokodilstränen” der Betreiber und prangern Luxuspreise von bis zu 1.500 Euro pro Tag an. Sie werfen der Branche vor, nach den Preiserhöhungen während der Pandemie und der Energiekrise keine Korrekturen nach unten vorgenommen zu haben.
Die Betreiberverbände weisen die Vorwürfe vehement zurück. Maurizio Rustignoli vom Verband Fiba nennt die Darstellung „oberflächlich und irreführend“. Preissteigerungen hätten, wenn überhaupt, nur bei moderaten vier bis fünf Prozent gelegen. Standardangebote für Schirm und zwei Liegen seien weiterhin für 18 bis 30 Euro zu haben. Stattdessen verweisen die Betreiberverbände auf die sinkende Kaufkraft der Familien und einen Rückgang ausländischer Touristen. Zudem lähme die seit Jahren ungelöste Frage der Strandkonzessionen die Investitionsbereitschaft.
Tourismusministerin Daniela Santanchè wiegelt ab und bezeichnet die Krisenberichte als „Panikmache“. Italien sei im Mittelmeerraum weiterhin führend und biete günstigere Preise als Spanien oder Griechenland.
Der Soziologe Gabriele Manella von der Universität Bologna rät jedoch zur Differenzierung. Er sieht ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Einerseits hätten die hohen Preise durchaus einen Effekt, andererseits verändere sich das Urlaubsverhalten. Die Aufenthalte würden kürzer und neue Tourismusformen wie Wandern oder Reisen in die Berge würden an Beliebtheit gewinnen. Ob das traditionelle Strandmodell damit in einer Krise steckt, sei jedoch verfrüht zu beurteilen. Der Sommer ist noch nicht vorbei und wird zeigen, wer im großen Strand-Streit recht behält.



















