Mailand – Der Scala-Streik hat die Premiere von Charles Gounods Oper Faust am Dienstag, 20. Oktober, verhindert. Die Stiftung des Mailänder Opernhauses sagte die Aufführung ab, weil infolge der Arbeitsniederlegung die Voraussetzungen für eine Vorstellung fehlten. Die nächste Aufführung ist für Samstag, 24. Oktober, um 19.30 Uhr angesetzt. Für den ausgefallenen Abend werden die Eintrittskarten erstattet.
Bei online gekauften Tickets erfolgt die Rückzahlung automatisch über das ursprünglich verwendete Zahlungsmittel. Die Absage betrifft die erste von sieben geplanten Vorstellungen der Produktion. Aus ihr folgt keine Absage der gesamten Aufführungsserie. Für Besucher ist deshalb das Datum auf ihrer Eintrittskarte entscheidend.
Die Beschäftigten hatten die Arbeitsniederlegung am 12. Oktober in einer Versammlung beschlossen. Hinter dem Streik stehen die Gewerkschaften Cgil, Cisl, Uil und Fials. Sie verlangen eine Anhebung der jährlichen Bruttogehälter um mindestens 15 Prozent, um den Kaufkraftverlust durch die Inflation auszugleichen. Für die folgenden Jahre fordern sie weitere, schrittweise Anpassungen an die erwartete Teuerung.
Worum geht es beim Scala-Streik?
Im Mittelpunkt steht die Erneuerung des Haustarifvertrags. Der Verwaltungsrat erteilte dem Intendanten ein Mandat, Verhandlungen aufzunehmen. Die Arbeitnehmervertreter halten diesen Schritt für unzureichend, solange nicht klar ist, welche finanziellen Mittel für den Abschluss zur Verfügung stehen. Sie hatten sich bereit gezeigt, den Streik bei Fortschritten in den Gesprächen zurückzunehmen. Der Theaterbetrieb bezifferte die Kosten der Forderung auf rund 37 Millionen Euro über drei Jahre und bewertete diese Belastung als zu hoch.
Schon am Vormittag wurde der Konflikt vor dem Haus sichtbar. Beschäftigte versammelten sich neben dem Theatereingang; Tänzer zeigten kurze Darbietungen, Musiker und Chormitglieder spielten und sangen unter anderem Verdis Gefangenenchor Va, pensiero. Hinter dem musikalischen Protest steht die Forderung, künstlerische Qualität auch durch entsprechende Arbeitsbedingungen und Bezahlung abzusichern. Die Absage der Premiere zeigte am Abend die unmittelbare Auswirkung der stockenden Tarifgespräche auf den Spielplan.




















