Rom – Eine neue Tizian-Ausstellung bringt die Verkündigung aus der Kathedrale von Treviso in die Galleria Borghese. Seit dem 20. Oktober steht das restaurierte Altarbild dort Werken des venezianischen Malers aus der römischen Sammlung gegenüber, darunter Amor Sacro e Amor Profano. Die von Maria Giovanna Sarti kuratierte Schau läuft bis zum 8. Dezember 2026.
Der Titel Tiziano. Dialoghi tra Sacro e Profano beschreibt den Ansatz: Zwei Gemälde mit unterschiedlicher Bestimmung sollen gemeinsam betrachtet werden. Die Verkündigung entstand für die Malchiostro-Kapelle im Dom von Treviso. Amor Sacro e Amor Profano wird dagegen überwiegend als Allegorie im Zusammenhang mit einer Hochzeit gedeutet. Die Gegenüberstellung fragt nach Verbindungen zwischen Glauben, Liebe und der antiken Bildtradition.
Den vorübergehenden Ortswechsel ermöglichten Restaurierungsarbeiten an den Fresken des Malers Pordenone in der Kapelle von Treviso. Auch Tizians Tafel selbst wurde konservatorisch behandelt. Dabei kam eine Inschrift mit Datierung, Signatur und einem Hinweis auf den Auftraggeber wieder zum Vorschein. Das Altarbild wird auf 1520 datiert; Amor Sacro e Amor Profano entstand wenige Jahre zuvor, um 1514.
Was zeigt die Tizian-Ausstellung in Rom?
Die Schau lenkt den Blick auf Einzelheiten, die beide Bilder verbinden. Dazu gehören die weiblichen Figuren, der Umgang mit antiken Motiven und die Hinweise auf die jeweiligen Auftraggeber. In der Verkündigung erscheint der Domherr Broccardo Malchiostro als kleine kniende Gestalt im Hintergrund. Er gab sowohl das Bild als auch die Kapelle in Auftrag. Im Gemälde der Sammlung Borghese verweist ein Wappen auf den venezianischen Auftraggeber Niccolò Aurelio. Die Deutung als Hochzeitsbild ist verbreitet, erklärt aber nicht abschließend alle Einzelheiten der Komposition.
Die Ausstellung gehört zu den Veranstaltungen zum 450. Todestag Tizians. Sie setzt zugleich eine Reihe kleiner, thematisch konzentrierter Präsentationen der Galleria Borghese fort. Bereits 2022 hatte das Museum eigene Tizian-Gemälde mit der Leihgabe Nymphe und Hirte aus dem Kunsthistorischen Museum Wien verglichen. Diesmal stellt die Diözese Treviso das zentrale Gastwerk zur Verfügung. Wissenschaftlich beteiligt sind die Fondazione Centro Studi Tiziano e Cadore und die Magnifica Comunità di Cadore.




















