Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella hat am 30. Juni beim Treffen mit Vertretern der Gefängnisverwaltung und Justizvollzugsbeamten im Quirinalspalast eindringlich vor der akuten Situation im Justizvollzug gewarnt. Er bezeichnete die überfüllten Haftanstalten als „untragbar“ und forderte, dass diese wieder ihrem verfassungsmäßigen Auftrag nachkommen: Resozialisierung statt Kriminalitätsförderung.
Mattarella bezeichnete die Haftbedingungen als „unbewohnbar“ und betonte, dass Gefängnisse keine „Trainingsplätze für neue Straftäter“ sein dürften. Er mahnte, dass jeder in die Gesellschaft reintegrierte Gefangene auch der öffentlichen Sicherheit zugutekomme. Besonders alarmierend sei der starke Anstieg von Suiziden in Haft, den er als „soziale Notlage“ bezeichnete.
Laut aktuellen Statistiken weist das italienische Gefängnissystem einen Überbelegungsgrad von ca. 135 % auf – im Mai 2025 waren rund 62 722 Häftlinge auf etwa 46 706 Plätze verteilt. In manchen Haftanstalten, etwa San Vittore in Mailand, leben bis zu 1.100 Insassen auf offiziell nur rund 700 Plätzen, was mit chronischem Personalmangel verbunden ist.
Bereits im Mai hatte der Menschenrechtsverein Antigone darauf hingewiesen, dass in fast 60 Justizanstalten die durchschnittliche Zellenfläche unter 3 m² pro Person falle und viele Insassen Beruhigungs- und Schlafmittel benötigten. Zugleich beklagten die Rechnungshöfe die verzögerte Umsetzung des Gefängnisplans, der dringend erforderliche Erweiterungen und Modernisierungen vorsah.
Angesichts dieser Zustände forderte Mattarella klares Handeln: mehr Ressourcen für das Gefängnispersonal, psychosoziale Betreuungsangebote, bessere Haftbedingungen und rechtspolitische Maßnahmen. Damit solle das Gefängnis seinen verfassungsmäßigen Auftrag erfüllen und zur öffentlichen Sicherheit beitragen.



















