Die italienische Polizei hat heute Morgen einem mutmaßlichen System aus systematischer Gewalt und skrupelloser Vernachlässigung in Pflegeeinrichtungen ein Ende gesetzt. Bei einem Großeinsatz in der Gemeinde Pachino auf Sizilien wurden 16 Personen festgenommen. Den Inhabern und Mitarbeitern der beiden Wohnheime wird vorgeworfen, wehrlose ältere und behinderte Bewohner schwer misshandelt und ihrer Freiheit beraubt zu haben.
Die von der Staatsanwaltschaft Syrakus koordinierten Ermittlungen wurden durch Hinweise aufmerksamer Bürger auf katastrophale Zustände ins Rollen gebracht. Monatelange verdeckte Ermittlungen inklusive Telefon- und Raumüberwachung bestätigten die schrecklichen Vermutungen. Die Beweise dokumentieren laut den Carabinieri regelmäßige Schikanen und Demütigungen. Die insgesamt 20 Bewohner sollen mit Ohrfeigen, Schlägen und Stößen misshandelt und mit Beleidigungen und Drohungen eingeschüchtert worden sein.
Besonders erschütternd ist der Fall einer jungen Frau mit psychischen Problemen, die über das therapeutisch notwendige Maß hinaus ans Bett gefesselt wurde. In diesem Zustand war sie selbst bei grundlegenden Bedürfnissen wie Essen oder dem Toilettengang auf Hilfe angewiesen, die ihr oft verwehrt wurde und mit weiteren Strafen beantwortet wurde.
Als Motiv vermuten die Ermittler reine Profitgier. Die Betreiber sparten massiv bei den baulichen, hygienischen und personellen Bedingungen. So wurden Medikamente und sogar invasive Therapien von unqualifiziertem Personal verabreicht.
Die Polizei hat insgesamt drei Einrichtungen der verantwortlichen Genossenschaft versiegelt und die Bewohner in sicheren Unterkünften untergebracht. Gegen die 16 Beschuldigten wurden je nach Schwere der Tat unterschiedliche Maßnahmen verhängt: von Haft über Hausarrest bis hin zu Meldeauflagen und einem zwölfmonatigen Berufsverbot.




















