Die italienische Lagunenstadt Venedig kämpft schon lange gegen die schieren Massen an Touristen. Doch nach der Einführung einer umstrittenen Eintrittsgebühr und den Protesten gegen die Luxushochzeit von Amazon-Chef Jeff Bezos hat sich die Diskussion verschoben. Es geht nicht mehr nur um die Anzahl der Besucher, sondern um ihre Kaufkraft. Der neue Präsident des angesehenen Vereins „Piazza San Marco“, Setrak Tokatzian, kritisiert scharf, dass die meisten Touristen wenig ausgeben. Er bezeichnet sie als „Hungerleider“, die sich nur eine Portion Nudeln oder ein Stück Pizza teilen und dabei kaum etwas zur Wirtschaft der Stadt beitragen.
Dieser sogenannte „Overtourism der Hungerleider” führe laut Tokatzian zu einer Krise, von der nicht nur lokale Handwerker, sondern auch Luxusgeschäfte betroffen seien. Die Besucher, die oft mit Bussen von den umliegenden Küstencampingplätzen kommen, kaufen billige Souvenirs von Straßenhändlern, während die Geschäfte, die hochwertiges Handwerk wie Murano-Glas anbieten, leer bleiben. Tokatzian hat einen drastischen Vorschlag zur Lösung des Problems: eine massive Erhöhung der Eintrittsgebühr für Tagestouristen auf 100 Euro.
Dieser Vorstoß stößt jedoch auf heftigen Widerstand. Bruno Barel, Erster Prokurator der Basilika San Marco, lehnt die Idee eines „Venedig nur für Wohlhabende“ ab. Er argumentiert, dass Schönheit für alle zugänglich sein sollte und betont die demokratischen und klassenübergreifenden Werte der Stadt. Auch Venedigs Tourismusassessor Simone Venturini hält den Vorschlag für rechtlich nicht umsetzbar, da die Obergrenze der Gebühr gesetzlich bei 10 Euro liegt. Venturini zeigt sich jedoch offen für eine dynamische Gebührenstaffelung, bei der der Preis je nach Besucherzahl variiert.
Unterdessen hat die Prokuratur der Basilika San Marco eine Online-Reservierungspflicht sowie eine Gebühr in Höhe von 10 Euro eingeführt, um die Warteschlangen zu verkürzen. Durch diese Maßnahme haben sich die Warteschlangen verkürzt und den Touristen bleibt mehr Zeit, die Stadt zu erkunden und einzukaufen. Gleichzeitig wird immer wieder gefordert, das lokale Handwerk stärker zu fördern und den Kampf gegen Produktfälschungen zu intensivieren.
Der Streit um die richtige Strategie macht die Zerrissenheit der Stadt deutlich: Einerseits ist sie auf den Tourismus angewiesen, andererseits möchte sie ihr kulturelles Erbe bewahren.



















