Lampedusa – Zum zweiten Mal in der Geschichte hat sich ein Papst auf Lampedusa den Menschen zugewandt, die auf der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben verloren haben. Leo XIV. reiste am Samstag auf die südlichste Insel Italiens, verharrte im stillen Gebet vor den Gräbern namenloser Migranten und legte dort einen Blumenkranz nieder.
Mehr als 10.000 Menschen empfingen das Kirchenoberhaupt auf dem kleinen Eiland. An der „Porta d’Europa“, dem Denkmal am Rand der Klippen, das an die Toten des Mittelmeers erinnert, schritt der Papst allein hindurch. Ein kräftiger Windstoß wehte ihm dabei die weiße Kalotte vom Kopf – ein Bild, das die italienischen Medien am Sonntag prägte. Am Hafen segnete er zudem eine Gedenktafel und traf mit einer Migrantenfamilie zusammen.
Was der Papst auf Lampedusa von Europa fordert
In seiner Predigt sprach Leo XIV. von einer „epochalen“ Verantwortung, die das Phänomen der Migration den europäischen Gesellschaften auferlege. Rettung auf See dürfe kein Zufall bleiben, sondern müsse Teil einer langfristigen Strategie werden, die Menschen aufnehme, schütze, fördere und integriere. Die Würde jedes Einzelnen zu wahren, sei Aufgabe der staatlichen Institutionen ebenso wie der Zivilgesellschaft und der Kirche.
Mit dem Besuch knüpfte der Papst bewusst an seinen Vorgänger an: 2013 hatte Franziskus mit seiner ersten Reise nach Lampedusa ein weltweit beachtetes Zeichen gegen die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ gesetzt. Zur Erinnerung an ihn wurde bei dem Besuch ein Landungssteg der Insel nach Franziskus benannt.




















