New York – Ein kostbares Stück italienischer Renaissance-Kunst ist derzeit in New York zu bewundern: Die Visconti-Tarocchi, die berühmten Visconti-Sforza-Tarockkarten, sind in der Morgan Library zu sehen. Die Ausstellung mit dem Titel „Tarot! Renaissance Symbols, Modern Visions“ versammelt zum ersten Mal in Nordamerika den Großteil der erhaltenen Bildkarten des prachtvollen Mailänder Decks und ist noch bis zum 4. Oktober geöffnet.
Das Visconti-Sforza-Deck entstand im 15. Jahrhundert, um die Verbindung zweier der mächtigsten Mailänder Familien zu feiern. Es gilt als bedeutendstes erhaltenes Beispiel für Renaissance-Tarock und wird dem Maler Bonifacio Bembo zugeschrieben. Anders als heute dienten die fein gemalten Karten ursprünglich nicht der Wahrsagerei, sondern als elegante Hofunterhaltung. Dank einer Leihgabe aus einem Bergamasker Museum sind nun 45 dieser Bildkarten in der Morgan Library vereint.
Visconti-Tarocchi: sechs Jahrhunderte Tarock-Geschichte
Die Schau ist in zwei Teile gegliedert. Der erste, „Renaissance Symbols“, widmet sich den ältesten erhaltenen Decks des 15. Jahrhunderts und der höfischen Kultur der Lombardei, aus der sie hervorgingen. Der zweite Teil, „Modern Visions“, verfolgt, wie Künstler über die Jahrhunderte immer wieder die Bildwelt des Tarock aufgegriffen haben. Insgesamt sind rund 380 Werke zu sehen.
Für italienische Kunstliebhaber ist die Ausstellung ein Stück heimischer Geschichte in der Fremde. Die zarten Figuren von Päpstin, Glücksrad und Narr erzählen von der Pracht und der Bildungswelt der Mailänder Höfe – und davon, wie eng Spiel, Kunst und Symbolik in der Renaissance verflochten waren. Dass diese fragilen Karten nach sechs Jahrhunderten noch existieren, macht ihren Auftritt in Manhattan zu einer kleinen Sensation.



















