Lecce – Mit einer großangelegten Operation haben die Carabinieri in der Provinz Lecce die organisierte Kriminalität im Salento empfindlich getroffen. Am Dienstagmorgen wurden 16 Haftbefehle vollstreckt, davon sieben in Gefängnissen und neun im Hausarrest. Der Einsatz, an dem 120 Beamte, Hubschrauber und Spezialeinheiten beteiligt waren , richtete sich gegen einen Drogenhändlerring, der an der ionischen Küste des Salento operierte, insbesondere in Gallipoli, Nardò, Galatone, Sannicola und Seclì.
Insgesamt wird gegen 51 Personen ermittelt. Die Vorwürfe wiegen schwer: Sie reichen von der Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Drogenhandel über bewaffneten Raub und versuchte Erpressung bis hin zu Brandstiftung und brutaler Körperverletzung mit dauerhafter Entstellung des Gesichts – alles unter der Erschwerung der Mafia-Methodik.
Brutale Gewalt und territoriale Kontrolle
Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine unscheinbare Festnahme wegen Drogenhandels im Juni 2020. Doch die Ermittler stießen schnell auf zwei parallel agierende, aber vernetzte Strukturen, die sich den Drogenmarkt im ionischen Salento aufgeteilt hatten: eine Gruppe für Nardò und dessen Küstenorte, die andere für den Raum Gallipoli.
Insbesondere die Gruppe in Nardò war streng hierarchisch organisiert und setzte ihre Macht mit roher Gewalt im Mafia-Stil durch. So sollte der Drogenverkauf kontrolliert und Schulden eingetrieben werden. Die Ermittler dokumentierten extreme Gewalttaten: In einem Fall wurde ein Opfer nach dem Geldabheben am Automaten von Bewaffneten ins Auto gezwungen, geschlagen, mit einer Pistole bedroht und um 350 Euro beraubt. Anschließend schossen die Täter auf das Auto des Opfers. In einem anderen Fall wurde ein Mann nahe einer Bar in Nardò mit „unerhörter Gewalt“ zusammengeschlagen und mit Tritten gegen den Kopf am Boden liegengelassen, was zu einer dauerhaften Entstellung seines Gesichts führte.
Die zentrale Rolle der Frauen und „Kunden-Service“
Die Ermittlungen erfolgten über Monate mittels Abhöraktionen, Beschattungen und sogar Luftaufklärung. Dabei trat auch die zentrale Rolle mehrerer Frauen in der Organisation zutage. Einige waren für die Versorgung der Dealer und den Straßenverkauf zuständig , andere verwalteten die Drogenlager und Lieferungen – teils sogar in Anwesenheit ihrer minderjährigen Kinder. Eine Frau fungierte als „Telefonistin“ des Chefs und organisierte Treffen über schwer abhörbare Messenger-Dienste wie WhatsApp und Telegram.
Die Clans nutzten Codenamen für die Drogen, etwa „Bier“ oder „hausgemachtes Brot“. Um die Kundenbindung zu stärken, kontaktierten die Dealer ihre Käufer sogar nachträglich, um sich eine „Bewertung“ über die Qualität des Stoffs einzuholen. Bei der heutigen Operation und früheren Festnahmen im Zuge der Ermittlungen wurden Drogen für fast 5.000 Einzeldosen sichergestellt. Für alle Verdächtigen gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.




















