Die italienischen Behörden haben eine neue, beunruhigende Form des Diebstahls aufgedeckt, die als „Pickpocketing 2.0” bekannt ist. Nach der Festnahme einer 36-jährigen Frau in Sorrent fanden die Carabinieri in ihrer Handtasche ein verstecktes, aktives POS-Terminal. Die Frau steht im Verdacht, mithilfe des Geräts unbemerkt Mikrotransaktionen von den Bankkonten ahnungsloser Passanten abgebucht zu haben.
Was ist passiert?
Der Vorfall ereignete sich in Sorrent, wo die Frau zunächst wegen eines klassischen Diebstahls in einer Bar festgenommen wurde. Die wahre Überraschung bot jedoch die anschließende Durchsuchung ihrer Handtasche. Darin fanden die Beamten ein tragbares, voll funktionsfähiges Kartenlesegerät, wie es von Händlern für kontaktlose Zahlungen verwendet wird. Anstatt die kontaktlose Bezahlfunktion zu nutzen, benutzte die Diebin das Gerät als Werkzeug, um Geld zu stehlen.
Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Diebin das mobile POS-Terminal in belebten Gegenden, insbesondere in Touristenzentren wie Rom, nutzte, um unauffällig Geld von den Bankkarten ihrer Opfer abzuheben. Die Masche funktioniert wie folgt: Das Terminal wird vorab mit einem kleinen Betrag, etwa 9,90 Euro, aktiviert. Anschließend näherte sich die Täterin ihrem Opfer, beispielsweise in einem überfüllten Bus, am Bahnhof oder auf einem Markt, und streifte dessen Tasche oder Rucksack kurz. Die für die NFC-Kommunikation erforderliche kurze Distanz von nur wenigen Zentimetern reicht aus, um die Transaktion auszulösen. Der gesamte Vorgang dauert nur wenige Sekunden und bleibt dem Opfer meist verborgen, da keine PIN-Eingabe erforderlich ist und der Signalton des Geräts häufig von Umgebungsgeräuschen übertönt wird.
Warum ist diese Methode so gefährlich?
Die Gefahr liegt in der Unsichtbarkeit der Tat. Die Diebe zielen bewusst auf kleine Beträge ab, die unter dem Limit für die PIN-Eingabe liegen und in den monatlichen Kontoauszügen leicht übersehen werden. Diese „Tropfenentnahme“ über einen längeren Zeitraum summiert sich und wird selten sofort bemerkt oder der Bank gemeldet.
Trotz der scheinbaren Einfachheit gibt es technische Hürden. So ist die Reichweite der NFC-Technologie auf ein bis zwei Zentimeter begrenzt. Auch die Anwesenheit mehrerer Karten im Portemonnaie oder eine dicke Ledergeldbörse können die Kommunikation unterbrechen und die Transaktion verhindern. Jedes Terminal ist jedoch mit einem bestimmten Konto verbunden, sodass es den Strafverfolgungsbehörden theoretisch möglich ist, die Transaktionen zurückzuverfolgen. Die Täter nutzen dafür in der Regel Konten, die auf Strohmänner laufen, um nicht direkt identifizierbar zu sein.
Wie kann man sich schützen?
Die wichtigste Maßnahme ist Prävention. Experten empfehlen, eine abgeschirmte Geldbörse mit RFID-Blocker zu verwenden, da diese das NFC-Signal effektiv blockiert. Alternativ sollten Bankkarten in Innentaschen aufbewahrt werden, um den Zugriff von außen zu erschweren. Es ist auch ratsam, die kontaktlose Funktion seiner Bankkarte zu deaktivieren oder das Zahlungslimit zu senken.
Bei Verdacht auf einen Diebstahl sollten Sie umgehend Ihre Kontoauszüge prüfen und verdächtige Abbuchungen sofort Ihrer Bank melden. In manchen Fällen bieten Banken eine automatische Rückerstattung an, sofern der Betrug innerhalb einer bestimmten Frist gemeldet wird.
Die Entdeckung dieser Masche in Italien sollte Banken und Kunden gleichermaßen wachrütteln: Die Sicherheitslücken der modernen Zahlungstechnologie dürfen nicht unterschätzt werden, aber es besteht auch kein Grund zur Panik. Bewusstsein und Vorsicht im Umgang mit der kontaktlosen Bezahlung sind die besten Schutzmaßnahmen.





















