Im Rahmen der Operation „Medusa” ist es der italienischen Justiz gelungen, ein international tätiges Schleusernetzwerk umfassend zu zerschlagen. Insgesamt wurden 25 Personen festgenommen und 43 weitere unter Ermittlungsaufsicht gestellt. Die Ermittlungen gehen auf die Staatsanwaltschaft von Reggio Calabria zurück. Diese hatte gemeinsam mit Spezialeinheiten der Polizei über Jahre hinweg Hinweise zu kriminellen Strukturen gesammelt.
Im Zentrum steht ein komplex organisiertes Netzwerk, das Migranten vor allem aus Afghanistan, Pakistan, dem Iran, Syrien und den kurdischen Gebieten über die Türkei nach Italien gebracht haben soll. Die Schleusungen erfolgten überwiegend per Segelboot. Diese Methode wurde von den Tätern gezielt gewählt, um Kontrollen auf See zu umgehen und größere Gruppen unauffällig an die Küste Kalabriens zu bringen. Nach Erkenntnissen der Ermittler fanden seit 2017 mindestens dreißig solcher Überfahrten statt, bei denen insgesamt rund 2.000 Menschen nach Italien gelangten.
Die Migranten sollen pro Überfahrt Summen zwischen 6.000 und 8.000 Euro gezahlt haben. Die Einnahmen aus dem Menschenhandel werden auf etwa zehn Millionen Euro geschätzt. Die Ermittler stellten zudem Bargeld, Immobilien und weitere Vermögenswerte in Höhe von rund 3,3 Millionen Euro sicher. Besonders auffällig war laut den Behörden die Nutzung informeller Zahlungssysteme wie Hawala, über die Geldflüsse verschleiert und internationale Transfers abgewickelt wurden.
Das Netzwerk bestand nach Einschätzung der Ermittler aus mehreren kriminellen Gruppen mit jeweils klar abgegrenzten Aufgabenbereichen. Während einige Mitglieder für die Organisation der Abfahrten in der Türkei verantwortlich waren, übernahmen andere die Überführung auf See oder die Unterbringung der Migranten in Italien. Beteiligt waren vor allem Personen aus Georgien, der Ukraine, der Türkei und Moldawien, darunter sowohl Bootsführer als auch Logistiker und Mittelsmänner.
Die Operation Medusa gilt als Ergebnis einer intensiven internationalen Zusammenarbeit. Neben italienischen Behörden waren auch Eurojust, Europol, Interpol sowie Polizeieinheiten aus anderen europäischen Staaten eingebunden. Durch den Austausch von Informationen konnten Verbindungen zu weiteren Ermittlungsverfahren in anderen Ländern festgestellt werden.
Die italienischen Behörden sehen in der Zerschlagung des Netzwerks einen wichtigen Erfolg im Kampf gegen die organisierte Schleusung über das Mittelmeer. Die Ermittlungen dauern an, da geprüft wird, ob noch weitere Personen oder Strukturen in die Aktivitäten der Gruppe verwickelt sein könnten.




















