Am 2. August 2025 jährte sich das verheerende Attentat am Bahnhof von Bologna zum 45. Mal. Mehrere Tausend Menschen versammelten sich auf dem zentralen Platz, um der 85 Todesopfer und der über 200 Verletzten zu gedenken. Der Terroranschlag von 1980 gilt bis heute als der schlimmste Akt des Terrorismus in Italien seit dem Zweiten Weltkrieg.
An der Spitze des Trauerzugs marschierten Vertreter der italienischen Regierung, darunter Forschungsministerin Anna Maria Bernini, Bolognas Bürgermeister Matteo Lepore, Regionalpräsident Michele De Pascale und die Vorsitzende der Demokratischen Partei (PD), Elly Schlein.
In einer schriftlichen Botschaft wandte sich auch Staatspräsident Sergio Mattarella an die Teilnehmer und bezeichnete das Massaker als einen „unmenschlichen, neofaschistischen Umsturzversuch“, der die demokratischen Werte Italiens massiv bedroht habe.
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni würdigte in ihrer Rede die Opfer und bezeichnete den Anschlag als eines der „dunkelsten Kapitel” der italienischen Geschichte. Sie betonte ihre Solidarität mit den Angehörigen der Opfer, denen bis heute Respekt und Unterstützung gebühre.
Gleichzeitig lösten ihre Worte jedoch kontroverse Reaktionen aus. Paolo Bolognesi, der Vorsitzende der Opfervereinigung, warnte die Ministerpräsidentin eindringlich davor, den faschistischen Ursprung des Anschlags zu relativieren. „Eine Verurteilung des Massakers, die dessen politischen Kontext nicht anerkennt, wäre nur oberflächlich und gefährlich“, so Bolognesi.
Der Bürgermeister von Bologna, Matteo Lepore, fand noch deutlichere Worte: „Wir werden auf allen Ebenen dafür kämpfen, dass die vollständigen Gerichtsurteile zugänglich werden.“ Die Regierung dürfe keinesfalls versuchen, historische Fakten zu verschleiern. Hintergrund ist ein umstrittenes Dekret der italienischen Regierung, das nach Ansicht von Kritikern den öffentlichen Zugang zu bestimmten historischen Dokumenten einschränkt.
Die Stimmung während der Zeremonie zeigte, wie stark das Thema politisch aufgeladen ist. Forschungsministerin Anna Maria Bernini wies in ihrer Rede jegliche Verbindung der aktuellen Regierung zu den damaligen Ereignissen entschieden zurück. „Wir stehen ohne Wenn und Aber auf der Seite der Opfer und ihrer Angehörigen”, sagte sie.
Die Vorsitzende der PD, Elly Schlein, forderte hingegen alle Regierungsvertreter auf, die historischen Gerichtsurteile zum Massaker endlich vollständig zu veröffentlichen und sich diesen Erkenntnissen zu stellen.
Giuseppe Conte, der Vorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung, sprach von einem „neofaschistischen Massaker“, das mit Unterstützung staatlicher Stellen und der geheimen Freimaurerloge P2 geplant worden sei. Er appellierte an die Politik, Halbwahrheiten und politische Mythenbildung endlich zu beenden.
Vizepremier Matteo Salvini erinnerte seinerseits an die „tiefe Wunde“, die das Attentat hinterlassen habe, und betonte, dass das Gedenken eine dauerhafte Pflicht sei. Die Angehörigen der Opfer mussten über Jahrzehnte um Entschädigungen und Anerkennung kämpfen.
Am 2. August 1980 waren zwei in Koffern versteckte Bomben in der Wartehalle des Bahnhofs explodiert. Die Explosion zerstörte weite Teile des Bahnhofsgebäudes und beschädigte einen wartenden Zug schwer. Die Detonation war kilometerweit hörbar und verursachte Chaos und Panik in der ganzen Stadt. Unter den Opfern waren hauptsächlich Urlauber und Familien, die gerade auf ihre Züge warteten.
In langen und komplexen Gerichtsverfahren wurden die Täter schließlich ermittelt und verurteilt. Zwischen 1988 und 1994 verurteilten italienische Gerichte drei Neofaschisten – darunter das Ehepaar Valerio Fioravanti und Francesca Mambro – zu lebenslangen bzw. langen Haftstrafen. Im Juli 2024 bestätigte das Oberste Gericht in Rom die lebenslange Haftstrafe für den ehemaligen Neofaschisten Paolo Bellini. Trotz der Verurteilungen bleiben bis heute einige Hintergründe ungeklärt.




















