Mailand – Im Ringen um die Commerzbank ist UniCredit einen Schritt weiter. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat den Antrag der italienischen Großbank für vollständig erklärt und mit einem Entscheidungsvorschlag an die Europäische Zentralbank weitergeleitet. Die Nachricht wurde am Dienstag bekannt und gilt als wichtige Wegmarke – die eigentliche Genehmigung spricht allerdings die EZB aus, nicht die BaFin.
Die Aufsichtsbehörde hatte die Unterlagen bereits Ende Juli auf den Weg gebracht. Für ihre Prüfung hat die EZB 60 Arbeitstage Zeit, verlängerbar um weitere 20. Eine Entscheidung wird damit frühestens im Oktober erwartet. Offiziell bestätigt hat den Vorgang keine der beteiligten Institutionen; UniCredit, BaFin, EZB und Commerzbank äußerten sich nicht.
Hintergrund ist der schrittweise Einstieg von UniCredit-Chef Andrea Orcel. Er begann im September 2024, als der Bund ein Aktienpaket von rund 4,5 Prozent veräußerte, das vollständig bei der Mailänder Bank landete. Im März 2025 erlaubte die EZB eine Beteiligung von bis zu 29,9 Prozent. Im Mai 2026 legte UniCredit ein freiwilliges Übernahmeangebot vor, das Tauschverhältnis lag bei 0,485 eigenen Aktien je Commerzbank-Anteil. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank empfahlen, es abzulehnen, ebenso der Bund, der noch gut zwölf Prozent hält.
Warum UniCredit bei der Commerzbank kein Pflichtangebot vorlegen muss
Nach Ablauf der Annahmefrist Anfang Juli kommt UniCredit rechnerisch auf 47,59 Prozent des Kapitals und knapp 49,7 Prozent der Stimmrechte, dazu rund 11,5 Prozent über Derivate ohne Stimmrecht. Die Commerzbank warnte ausdrücklich davor, diese Werte zu einer Gesamtposition zu addieren: Die angedienten Aktien gehen erst mit den ausstehenden Genehmigungen über.
Das deutsche Übernahmerecht verlangt ab 30 Prozent der Stimmrechte üblicherweise ein Pflichtangebot an alle übrigen Aktionäre. Weil UniCredit die Schwelle im Juni während eines laufenden freiwilligen Übernahmeangebots überschritten hat, greift eine Ausnahme – ein zweites Angebot bleibt der Bank erspart. Der Bund kann mit seinem Paket zwar keinen Zusammenschluss verhindern, wohl aber ein vollständiges Herausdrängen der Minderheitsaktionäre blockieren. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Mitte Juli erklärt, man werde die Fusion nicht verhindern, kritisierte aber die Art des Vorgehens. Weitere Freigaben stehen unter anderem aus Polen, aus den USA und von der EU-Wettbewerbsbehörde aus.




















