Monte dei Paschi erwägt Gegenangriff im italienischen Bankenpoker
Der Verwaltungsrat in Siena tagt am Donnerstag über ein doppeltes Umtauschangebot
Siena – Die Banca Monte dei Paschi di Siena hat für Donnerstag eine Sitzung ihres Verwaltungsrats einberufen. Auf dem Tisch liegt ein weitreichendes Szenario: Vorstandschef Luigi Lovaglio prüft ein doppeltes Umtauschangebot für Banco BPM und Banca Generali. Ein solcher Schritt wäre die Antwort auf die Offerte, mit der Intesa Sanpaolo seit dem Sommer nach dem Institut aus der Toskana greift.
An der Mailänder Börse blieb die Reaktion verhalten. Die MPS-Aktie ging bei rund zwölf Euro nahezu unverändert in den Handel und pendelte im frühen Geschäft um die Nulllinie. Etwas deutlicher bewegten sich die möglichen Ziele: Banco BPM notierte bei knapp 16,80 Euro fester, Banca Generali gewann rund anderthalb Prozent auf gut 67 Euro.
Vom Sanierungsfall zum Angreifer
Das 1472 gegründete Haus gilt als älteste noch tätige Bank der Welt und war lange der Problemfall des italienischen Kreditgewerbes. Nach der Staatsrettung hielt das Wirtschafts- und Finanzministerium zeitweise die Mehrheit, nach mehreren Platzierungen sind davon noch rund 4,8 Prozent übrig. Die größten Anteilseigner sind heute die Holding Delfin der Familie Del Vecchio mit etwa 17,5 Prozent und der Bauunternehmer Francesco Gaetano Caltagirone mit rund 13 Prozent.
Binnen weniger Jahre wechselte Siena die Rolle. Im September 2025 endete das Umtauschangebot auf Mediobanca mit einem Anteil von 86,3 Prozent, die Verschmelzung der Mailänder Investmentbank läuft noch. Über Mediobanca kontrolliert die Gruppe zugleich mehr als 13 Prozent an den Assicurazioni Generali – ein Hebel, der ein Angebot für deren Vermögensverwaltungstochter Banca Generali überhaupt erst denkbar macht.
Crédit Agricole und die Passivitätsregel
Genau dort liegen aber auch die Widerstände. Bei Banco BPM sitzt die französische Crédit Agricole mit knapp 30 Prozent als größter Aktionär und hat einem Zusammenschluss mit Siena bereits eine Absage erteilt. Die Mailänder Bank selbst hatte frühere Sondierungen wegen der langen Verhandlungsdauer beendet. Für Banca Generali wäre das Einvernehmen mit dem Versicherungskonzern nötig, hinzu kommt die Passivitätsregel, die einem Übernahmeziel während eines laufenden Angebots enge Grenzen setzt. Analysten warnen zudem vor der Belastung durch die noch offene Mediobanca-Integration und vor Synergien, die außergewöhnlich hoch ausfallen müssten.
Intesa Sanpaolo hatte im Juli ein Tausch- und Barangebot im Volumen von rund 30,6 Milliarden Euro vorgelegt: 1,6 eigene Aktien plus einen Euro je MPS-Titel, was einer Prämie von 12,5 Prozent entsprach. Der Verwaltungsrat in Siena lehnte die Offerte am 16. Juli einstimmig als unzureichend ab und verwies darauf, dass die eigenen Aktionäre nur 22 Prozent des neuen Instituts hielten, obwohl sie 34 Prozent des materiellen Eigenkapitals einbrächten. Die Hauptversammlung von Intesa soll am 10. September über das Vorhaben entscheiden. Zusammen mit den Sieneser Plänen entscheidet sich damit im Herbst, wie stark der italienische Bankenmarkt zusammenrückt.




















