Rom – Die Weinlese 2026 hat in Italien so früh begonnen wie kaum je zuvor. Wochenlange Hitze und drückende Schwüle haben den Vegetationszyklus der Reben beschleunigt, die Trauben reifen von Sizilien bis Südtirol schneller als gewohnt. Die Vendemmia, wie die Weinlese auf Italienisch heißt, startet in vielen Anbaugebieten sieben bis zehn Tage vor dem üblichen Termin. Den Auftakt machte bereits im Juli der Westen Siziliens, wo im Trapanesischen die frühen weißen Sorten geschnitten wurden. Die erste Bilanz dort: qualitativ interessante Trauben, aber voraussichtlich geringere Erträge als in einem normalen Jahr.
Im Norden zog die Franciacorta Ende Juli nach, im Gebiet von Gussago – nach Einschätzung erfahrener Erzeuger die früheste Lese in der Geschichte des Schaumweingebiets. In Südtirol verzeichnen die Kellereien einen der frühesten Erntestarts überhaupt, rund sieben bis zehn Tage vor dem Vorjahr, nach drei Monaten mit überdurchschnittlichen Temperaturen. In der Maremma sind die Weinberge in gutem phytosanitärem Zustand, auch hier liegt der Termin sieben bis zehn Tage vor dem Mittel. In den Langhe und im Roero begannen die ersten Arbeiten in der ersten Augustwoche, in der Toskana und in Apulien folgen bis Ferragosto Chardonnay und weitere frühe Sorten. Die späten roten Sorten, vom Nebbiolo bis zum Nerello am Ätna, kommen erst im Herbst an die Reihe.
Weinlese 2026: gute Qualität erwartet, Menge noch offen
Assoenologi, der Verband der italienischen Önologen, rechnet mit einem Jahrgang von guter Qualität, sofern die Witterung der kommenden Wochen mitspielt. Auf die traditionelle Pressekonferenz mit der Erntevorschau verzichteten Assoenologi und die Unione Italiana Vini in diesem Jahr allerdings – die Unsicherheit ist zu groß. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Lese über fast fünf Monate erstrecken dürfte, was belastbare Mengenprognosen erschwert. Immerhin blieb der Befall mit Falschem Mehltau weitgehend aus, der Gesundheitszustand der Trauben gilt als gut. Zum Vergleich: 2025 hatte Italien rund 44,4 Millionen Hektoliter Wein erzeugt.
Regional fällt das Bild uneinheitlich aus. Im Piemont erwarten die Konsortien eine gute Qualität, mögliche Hitzespitzen im August könnten allerdings das Gewicht der Trauben drücken. In den Abruzzen hat ein heftiges Hagelunwetter im Gebiet um Teramo Weinberge getroffen, verlässliche Volumenschätzungen gibt es dort noch nicht. In den Marken liegt die Produktion mit etwa 870.000 Hektolitern auf Vorjahresniveau, einzelne Betriebe verloren durch Unwetter jedoch fast die gesamte Ernte; Coldiretti fordert deshalb einen Umbau des Sektors mit weniger Menge und höherer Qualität. Wirtschaftlich bleibt der Weinbau ein Schwergewicht: rund 670.000 Hektar Rebfläche, etwa 1,3 Millionen Beschäftigte entlang der gesamten Kette und ein Handelsbilanzüberschuss von 7,2 Milliarden Euro im Jahr.




















