FRANCIACORTA – Wenn Winzer von Terroir sprechen, meinen sie meist das Zusammenspiel von Klima, Boden, Rebe und Mensch. Das bekannte Weingut Villa Franciacorta fügt diesem Konzept nun einen entscheidenden fünften Faktor hinzu: die Biodiversität. Seit 2015 nutzt das Gut die innovative Biopass-Methode, ein multidisziplinäres Verfahren, das vom Sata Studio Agronomico aus Brescia entwickelt wurde. Ziel ist es, die „Zonierung der biologischen Fruchtbarkeit“ zu messen – also die Vielfalt der Mikroflora und Mikrofauna im Boden.
Dieser Ansatz soll helfen, die Kommunikation der Pflanzen mit anderen Lebensformen im Weinberg zu verstehen. So können die ausgeglichensten und widerstandsfähigsten Weinberge identifiziert und jüngere Reben dabei unterstützt werden, sich besser an Stressfaktoren anzupassen.
Wein-Sensorik für den Ackerboden
Die Biopass-Methode geht weit über herkömmliche Bodenanalysen hinaus. Sie basiert teilweise auf einem FAO-Protokoll (VSA – Visual Soil Assessment), das Sata angepasst hat. Laut Pierluigi Donna, Agronom bei Sata, ähnelt der Prozess einer „sensorischen Bewertung des Bodens“, die „viele Ähnlichkeiten mit der Verkostung eines Weins“ aufweist. Die Experten analysieren den Untergrund durch Sehen, Fühlen und Riechen, um das „Wohlbefinden“ der Wurzeln zu beurteilen. Ergänzt wird dies durch die Zählung von „Indikatororganismen“ wie Mikroarthropoden – wirbellosen Tieren, die für einen gesunden Boden entscheidend sind – sowie klassischen chemisch-physikalischen Laboruntersuchungen der organischen Substanz.
Eine Ernte „wie aus dem Lehrbuch“
Dass sich der Aufwand lohnt, bestätigt die jüngste Lese. „Die Ernte 2025 wird als eine der besten der letzten Jahre in Erinnerung bleiben, sehr ähnlich wie in den Achtzigerjahren“, erklärt Roberta Bianchi, die Villa Franciacorta leitet. Dank Biopass konnte die Ernte optimal gesteuert werden. „Ein Boden voller Leben ermöglicht es den Pflanzen, sich mit außergewöhnlichen Trauben auszudrücken, bei denen die phenolische und die technologische Reife übereinstimmen.“ Dies gelinge trotz der späten Lese des Guts. Das Ziel sei es, die besten Grundweine für die renommierten Millesimati (Jahrgangsweine) von Villa Franciacorta zu gewinnen.




















