
Pacentro – Wer die Serpentinen von Sulmona heraufkommt, sieht zuerst zwei Türme, die aus dem Hang wachsen, und darunter ein Dorf, das aussieht, als hätte es jemand in den Fels gegossen. Rund tausend Menschen leben hier auf 700 Metern Höhe, mitten im Nationalpark Majella. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Pacentro liegen alle innerhalb von zehn Gehminuten: das Castello Caldora mit seinen vier Türmen, die Chiesa Madre mit der Sonnenuhr in der Fassade, das alte Waschhaus und ein Stein, auf dem Schuldner einst nackt sitzen mussten.
Dieser Guide zeigt dir die sieben Höhepunkte des Ortes, sagt dir, wann das Castello offen hat, wie du ohne Auto herkommst, wo du isst und schläfst und warum am ersten Septembersonntag junge Männer barfuß einen Berghang herunterrennen.
Pacentro in Zahlen
Pacentro ist eine Gemeinde in der Provinz L’Aquila, gut tausend Einwohner, 700 Meter über dem Meer. Das Gemeindegebiet ist mit 72,59 Quadratkilometern größer als der Ort vermuten lässt und reicht von 430 Metern in der Valle Peligna bis auf 2.793 Meter zum Monte Amaro, dem höchsten Gipfel der Majella.
Der historische Kern steht seit dem 10. Jahrhundert um eine Burg herum, die zum Verteidigungsring der Valle Peligna gehörte. Der älteste und höchste der vier Türme misst 24 Meter, die älteste Kirche des Ortes wurde 1047 gegründet.
Stand: September 2026 · Angaben laut Comune di Pacentro, Parco Nazionale della Majella und I Borghi più belli d’Italia.
- Wanderer mit Ziel Majella
- Liebhaber mittelalterlicher Dörfer
- Fotografen im Morgen- und Abendlicht
- Tagesausflügler von Sulmona aus
- Reisende ohne Auto und ohne Zeitpuffer
- Wer schlecht zu Fuß ist
- Nachtschwärmer
- Shopping und Museumsdichte

Was kostet ein Besuch in Pacentro?
Der Ort selbst kostet nichts. Gassen, Plätze, Aussichtspunkte, der Blick auf die Türme: alles frei zugänglich, keine Kasse, kein Ticketautomat. Bezahlt wird erst, wenn du in die Burg gehst oder die großen Klosteranlagen unten bei Sulmona besuchst.
Den Eintritt ins Castello Caldora zahlst du direkt am Tor bei der Associazione Culturale Pacentrana, dem Kulturverein, der die Burg seit Jahren im Auftrag der Gemeinde betreibt. Nimm ein paar Euro in bar mit, ein Kartenlesegerät steht dort nicht.
Was in und um Pacentro Eintritt kostet
| Angebot | Preis |
|---|---|
| Altstadt, Plätze und Aussichtspunkte | frei |
| Wege und Wälder im Nationalpark Majella | frei |
| Eremo di Sant’Onofrio al Morrone bei Sulmona | frei |
| Abbazia di Santo Spirito al Morrone, Sulmona | 5,00 € · ermäßigt 2,00 € |
Stand: September 2026 · Angaben laut Ministero della Cultura und Parco Nazionale della Majella.
Wann das Castello Caldora geöffnet ist
Die Burg hat das ganze Jahr über offen, Feiertage eingeschlossen, und zwar durchgehend ohne Mittagspause. Nur die Schlusszeit wandert mit der Jahreszeit.
| Zeitraum | Geöffnet |
|---|---|
| Januar bis März | 10 bis 17 Uhr |
| April und Mai | 10 bis 19 Uhr |
| Juni bis August | 10 bis 20 Uhr |
| September | 10 bis 19 Uhr |
| Oktober bis Dezember | 10 bis 17 Uhr |
Stand: September 2026 · Angaben laut Regione Abruzzo, Betrieb durch die Associazione Culturale Pacentrana, Telefon 0864 41102.

Welche 7 Sehenswürdigkeiten in Pacentro musst du gesehen haben?
Sieben Ziele tragen den Ort, und keines davon liegt weiter als zehn Gehminuten vom nächsten entfernt. Der Rundgang beginnt oben an der Burg und endet draußen im Wald, weil Pacentro beides ist: ein Wehrdorf und ein Zugang zum Nationalpark.
1. Das Castello Caldora über den Dächern
Das Castello Caldora, die mittelalterliche Burg auf der Kuppe über dem Ort, ist das am besten erhaltene Wehrbauwerk der Valle Peligna und steht auf 718 Metern am Fuß des Monte Morrone. Angelegt wurde es im 10. Jahrhundert als eine von sieben Festungen, die das Tal sichern sollten, gemeinsam mit den Burgen von Pettorano, Introdacqua, Anversa, Bugnara, Popoli und Roccacasale.
Der Grundriss ist nicht rechteckig, sondern schmiegt sich so an den Hang, dass der Berg im Rücken liegt. Zuerst stand nur ein Turm im Norden. Den Nordostturm, mit 24 Metern den ältesten und höchsten, ließen im 13. Jahrhundert die Lehnsherren Gualtieri und Pietrone di Collepietro aufstocken. Im 15. Jahrhundert kam die Familie Caldora an das Lehen und erweiterte die Anlage um zwei weitere Türme und den Wohnflügel, später bauten die Orsini die runden Ecktürme davor. Achte auf die Kragsteine unter den Zinnen: Sie sind mit Gesichtern geschnitzt. Die Rundtürme tragen Scharten für Hakenbüchsen und Bombarden, am Südwestturm sitzt das am besten erhaltene Wappen der Anlage, das der Orsini.
Zwei Türme haben Namen. Die Torre del Re, der Königsturm hinter der Zugbrücke im Nordwesten, heißt so, weil der neue Lehnsherr sich dort nach der Übernahme der Burg zeigte. Die Torre Fantasma, der Geisterturm im Nordosten, trägt eine traurigere Geschichte: Baron Roberto De Luzinano soll das Bildnis seiner Frau Margherita in den Stein schlagen lassen haben, nachdem sie sich auf die Falschmeldung vom Tod ihres Mannes hin vom Turm gestürzt hatte. Seit 1957 gehört die Burg der Gemeinde.
Gut zu wissen: Der Weg hinauf ist steil und gepflastert, feste Schuhe sind hier keine Übertreibung. Dafür bekommst du oben den Blick, für den die meisten überhaupt herkommen: die ganze Valle Peligna bis nach Sulmona, im Rücken die Wand der Majella.

2. Die Chiesa Madre und der Brunnen davor
Die Chiesa Madre, die Mutterkirche des Ortes, stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist der einzige wirklich repräsentative Bau in Pacentro. Ihre Fassade trägt ein gearbeitetes Kranzgesims und, das ist die Besonderheit, eine Sonnenuhr. Das ursprüngliche Eingangsportal steht heute im Inneren: eine vollständig in Holz geschnitzte Arbeit eines einheimischen Handwerkers. Das Gewölbe ist über die ganze Länge mit Stuck überzogen.
Draußen zählt der Glockenturm. Im ganzen Tal ist nur der der Annunziata in Sulmona höher. Direkt gegenüber steht ein monumentaler Brunnen, und weil an dieser Stelle die Gassen zusammenlaufen, ist der Platz davor der Ort, an dem sich das Dorf abends trifft. Wer eine halbe Stunde auf der Brunnenstufe sitzt, hat Pacentro gesehen.

3. Die Gassen, Bögen und Treppen der Altstadt
Pacentro ist kein Ort zum Abhaken, sondern einer zum Verlaufen. Die Häuser hängen so eng am Hang, dass Gassen unter Bögen hindurchführen, Treppen über Dächer laufen und Durchgänge zwei Straßen auf verschiedenen Höhen verbinden. Die schönsten Blicke findest du in der via del Castello, in der via di Sotto und an der Porta della Rapa, einem der alten Stadttore.
Zwischen den Wohnhäusern stehen mehr Adelspaläste, als ein Dorf dieser Größe erwarten lässt: der palazzo Tonno aus dem 17. Jahrhundert mit seinen ungewöhnlichen Fenstergewänden, der palazzo La Rocca, in dem heute das Rathaus sitzt, dazu palazzo Avolio und palazzo Massa an der Piazza Umberto I sowie palazzo Granata und palazzo Simone. Ihre Portale sind der eigentliche Grund, langsam zu gehen.
Gut zu wissen: Kopfsteinpflaster, Stufen und Steigungen prägen den ganzen Kern, barrierefrei ist hier fast nichts. Wer nicht gut zu Fuß ist, parkt am Ortsrand und nimmt sich den flacheren Teil um die Chiesa Madre vor, dort liegen Kirche, Brunnen, Rathaus und die beiden schönsten Palastportale beieinander.

4. I Canaje und die Preta Tonna
Zwei Steine erzählen mehr vom Alltag als jeder Palast. I Canaje, das alte öffentliche Waschhaus aus schweren Steinplatten, war bis weit ins 20. Jahrhundert der Treffpunkt der Frauen des Dorfes. Sie kamen aus allen Gassen zusammen und trugen die uaccile, die kupfernen Waschbecken, auf dem Kopf.
Ein paar Schritte weiter liegt die Preta Tonna, wörtlich der runde Stein, im Ort auch pietra dello scandalo genannt, der Stein der Schande. Der ausgehöhlte Block diente ursprünglich als amtliches Getreidemaß. Wer seine Schulden nicht zahlte, musste sich nackt daraufsetzen, während das Dorf vorbeiging. Es ist ein unangenehmes Denkmal, und genau deshalb steht es noch da.

5. Die Kirchen außerhalb der Mauern
Die älteste Kirche des Ortes steht nicht im Zentrum. San Marcello wurde 1047 gegründet, trägt sehenswerte Fresken und ein hölzernes Portal, das einheimische Handwerker geschnitzt haben; die eingeschnittene Jahreszahl 1697 ist bis heute lesbar.
Vor den Mauern liegen zwei weitere. Die Madonna delle Grazie vom Ende des 16. Jahrhunderts ist eine typische Landkirche, einschiffig und rechteckig, ohne jeden Prunk. Die barocke Santissima Concezione zieht sich über die volle Länge einer Seite des Klosters der Minori Osservanti, eines Franziskanerordens, das 1589 gegründet wurde. Über dem Hauptaltar hängt ein großes Gemälde der Unbefleckten Empfängnis des flämischen Malers Spranger. Wer genau hinsieht, entdeckt unten einen Franziskaner mit einem Buch, den Philosophen Duns Scotus, und oben ein Selbstporträt des Malers, der zu einer Frauengestalt auf der gegenüberliegenden Seite hinüberschaut.

6. Die Felszeichnungen am Colle Nusca
Der Colle Nusca, ein Hügel wenig außerhalb des Ortes, birgt eine Grotte mit dem ältesten Bild der Gegend: In rotem Ocker sind acht Männer mit Pfeil und Bogen auf den Fels gezeichnet, eine Jagdszene, die mehrere Jahrtausende alt ist. Das ist kein Museum und kein beschilderter Weg, sondern eine Fundstelle im Gelände.
Gut zu wissen: Ohne ortskundige Begleitung findest du die Grotte nur mit Glück. Frag im Rathaus oder beim Kulturverein nach, bevor du losgehst; beide sitzen in der via Santa Maria Maggiore, keine hundert Meter voneinander entfernt.

7. Der Nationalpark Majella vor der Haustür
Pacentro liegt nicht am Rand des Parco Nazionale della Majella, sondern mittendrin. Der Park wurde auf Grundlage des italienischen Rahmengesetzes von 1991 eingerichtet, umfasst 74.095 Hektar und 38 Gemeinden in den Provinzen Chieti, L’Aquila und Pescara und reicht von 130 bis auf 2.793 Meter. Sein höchster Punkt, der Monte Amaro, ist der zweithöchste Gipfel des gesamten Apennin. Seit April 2021 trägt das Gebiet zusätzlich den Titel UNESCO Global Geopark.
Im Wald herrscht die Buche, dazwischen stehen alte Eichen, Pinien, Steineichengruppen, Ahorn und Hainbuchen. Füchse, Eichhörnchen, Wiesel und Greifvögel siehst du mit etwas Geduld, den Wolf mit sehr viel Glück: Der Park nennt sich selbst den Berg des Wolfes, des Bären und der heiligen Einsiedler. Beliebte Ziele ab dem Ort sind der Wasserfall im Vallone und der Passo San Leonardo, der Übergang zwischen Morrone und Majella.
Ein Informationspunkt des Parks sitzt im Ort selbst, in der via Roma. Weiter unten im Tal, in der Abbazia di Santo Spirito al Morrone bei Sulmona, hat die Parkverwaltung ihren Sitz; die Klosteranlage misst 16.600 Quadratmeter und hat fünf Innenhöfe.

Was ist die Corsa degli Zingari in Pacentro?
Die Corsa degli Zingari, wörtlich der Lauf der Zigeuner, ist ein Barfußrennen am ersten Sonntag im September und der Grund, aus dem der Name Pacentro über die Abruzzen hinaus bekannt ist. Junge Männer laufen ohne Schuhe von einem Felsgrat gegenüber dem Ort hinunter, durch den Bach im Tal und wieder hinauf bis zum Altar einer Wallfahrtskirche. Der nächste Termin ist Sonntag, der 5. September 2027.
Gestartet wird an der Pietra Spaccata, dem gespaltenen Felsen auf dem Colle Ardinghi, der dem Dorf direkt gegenüberliegt. Das Signal gibt kein Startschuss, sondern das Geläut der Glocken. Von dort geht es weglos über Fels, durch Wald und Dornengestrüpp hinunter, durch den Torrente Vella, den Bach im Talgrund, und über einen alten Feldweg wieder hinauf durch die Gassen bis zur Chiesa della Madonna di Loreto. Wer als Erster den Altar erreicht, bekommt einen Stoffballen: ein Palio aus armen Zeiten, aus dem früher ein Anzug genäht wurde. Zwei Stunden vorher laufen die Kinder dieselbe Strecke.
Woher der Brauch kommt, ist bis heute nicht entschieden. Eine Überlieferung datiert ihn ins 18. Jahrhundert, als der Lauf an die Stelle einer Wallfahrt trat, die man gelobt hatte. Eine zweite führt ihn auf das 15. Jahrhundert zurück: Giacomo Caldora, der Burgherr von Pacentro, soll auf diese Weise die Wehrhaftesten für sein Gefolge ausgewählt haben. Manche sehen darin sogar den Nachhall römischer Jugendspiele. Ein Verfahren, den Lauf als immaterielles Kulturerbe eintragen zu lassen, ist angelaufen.
Gut zu wissen: Am Renntag ist Pacentro voll, die Zufahrten sind eng und die letzten Parkplätze früh weg. Wer den Lauf sehen will, kommt am Vormittag, bleibt zum Kinderlauf und hat den besten Platz auf dem Weg zur Kirche, wo die Läufer am Ende ankommen. Rund um den Sonntag läuft ohnehin ein mehrtägiges Festprogramm, zuletzt ergänzt um einen regulären Berglauf über 16 und 25 Kilometer.

Wie kommst du nach Pacentro?
Über Sulmona, in jedem Fall. Die Stadt in der Valle Peligna ist der Verkehrsknoten der Gegend, und Pacentro liegt wenige Kilometer darüber am Hang. Mit dem Auto fährst du auf der Autobahn A25 zwischen Rom und Pescara bis zur Ausfahrt Sulmona-Pratola Peligna, dann auf die Staatsstraße 17 und weiter auf die Regionalstraße 487 Richtung Cansano und Campo di Giove. Von Neapel kommst du über die A1 bis Caianello und dann über Venafro auf dieselbe Achse.
Mit der Bahn fährst du nach Sulmona. Der Bahnhof liegt an der Linie Terni–L’Aquila–Sulmona–Pescara und ist zugleich Halt auf der Verbindung zwischen Rom und der Adria, betrieben von Trenitalia. Die letzten Kilometer bergauf legst du am schnellsten per Taxi zurück; nach Busverbindungen fragst du am besten direkt am Bahnhofsschalter, weil die Fahrpläne zwischen Schulzeit und Sommer wechseln.
Der nächste Flughafen ist der Abruzzo Airport in Pescara. Vom Terminal fahren werktags zwölf Busse zum Busbahnhof der Stadt, der erste um 7.30 Uhr, der letzte um 23.30 Uhr; am Wochenende sind es sechs zwischen 18.30 und 23.30 Uhr. Die Stadtbuslinien 8 und 38 verkehren alle 20 Minuten. Ein Taxi ins Zentrum von Pescara kostet 20,00 €, nach Chieti 35,00 €. Von Pescara aus geht es mit der Bahn weiter nach Sulmona.
Stell den Wagen an den Buchten am Ortsrand ab und geh die letzten Meter zu Fuß. Die Gassen im Kern sind eng, steil und stellenweise kaum eine Wagenbreite breit; wer hineinfährt, rangiert am Ende rückwärts wieder heraus.
Was musst du in Pacentro unbedingt probieren?
Die Küche hier ist Bergküche und macht daraus kein Geheimnis: Fleisch von den Weiden über dem Ort, Käse von denselben Tieren, Gemüse aus dem Garten. Das Gericht, für das Pacentro steht, heißt polta und ist ein Eintopf aus gekochten Bohnen, Kartoffeln und Kohl, die anschließend in der Pfanne mit Knoblauch und Peperoncino nachgebraten werden. Er hat ein eigenes Dorffest, die Sagra della Polta in der ersten Augustdekade.
Daneben stehen drei Klassiker, die du in den Lokalen des Ortes findest: lu cuttur, gekochtes Schaffleisch nach altem Rezept; Gnocchi mit Ragù vom Schaf; und maccheroni alla chitarra, die kantige Bandnudel, die auf einem saitenbespannten Holzrahmen geschnitten wird, hier mit Sugo und kleinen Hammelfleischbällchen und einer kräftigen Lage Pecorino. Wer es süßer mag, nimmt Ravioli mit Ricottafüllung.
Dass Pacentro eine Nudeltradition hat, ist keine Erfindung fürs Prospekt: Das Pastificio Morrone, eine Nudelfabrik aus dem 18. Jahrhundert, produzierte hier bis 1949 und ist heute als Museum mit den Maschinen des 20. Jahrhunderts erhalten.

Welcher Wein gehört in Pacentro auf den Tisch?
Ein roter, und zwar der der eigenen Gemeinde. Pacentro gehört zum Erzeugungsgebiet des Montepulciano d’Abruzzo DOC in der Unterzone Terre dei Peligni, einer von wenigen abgegrenzten Lagen dieser Herkunft. Elf Gemeinden der Provinz L’Aquila zählen dazu, neben Pacentro unter anderem Sulmona, Introdacqua, Pratola Peligna, Raiano und Vittorito.
Die Reben stehen im Talkessel der Valle Peligna auf rund 400 Metern, gut belüftet und nach Süden geöffnet. In der Flasche müssen mindestens 95 Prozent Montepulciano stecken, der Mindestalkohol liegt bei 12,5 Volumenprozent, bei der Riserva bei 13. Gereift wird 24 Monate, als Riserva 30, davon mindestens neun im Holz. Das ergibt einen Wein mit Struktur, der die Bergküche der Gegend aushält, statt an ihr zu scheitern.
Das zweite Produkt, das du mitnehmen solltest, wächst unten im Tal: der Aglio Rosso di Sulmona, der rote Knoblauch der Valle Peligna. Seine Häute sind weinrot, die Zwiebeln messen 55 bis 70 Millimeter, er reift zwei bis drei Wochen früher als andere italienische Sorten und schmeckt deutlich schärfer. Geerntet wird zwischen Ende Juni und Anfang Juli, danach flechten ihn die Erzeuger von Hand zu Zöpfen von bis zu zwei Kilogramm. Er hält sich bis in den März. Wer mehr über die Weinlandschaften des Landes wissen will, findet die Routen im Überblick unter Weinstraßen in Italien.

Wo isst du am besten in Pacentro?
Zwei Häuser sind den Weg wert, eines mitten im Ort, eines unten an der Straße nach Cansano. Beide kochen die Küche der Valle Peligna und nicht die Karte, die überall in Italien hängt.
| Restaurant | Das erwartet dich |
|---|---|
| Taverna dei Caldora Pacentro, Piazza Umberto I 13 | Abruzzesische Küche mit Schwerpunkt Fleisch, in einem Palazzo aus dem 16. Jahrhundert im Ortskern. Im Guide MICHELIN als Adresse für regionale Küche geführt. |
| Posta Pacentrana Sulmona, SR 487 bei km 3+200 | Familienbetrieb an der Straße Richtung Cansano, alte Rezepte der Gegend, Zutaten ausschließlich aus der Region. Dienstags Ruhetag, sonntagabends und montags wird um Reservierung gebeten. |
Für den Nachmittag reicht der Platz an der Chiesa Madre: ein Kaffee, ein Stück Schafskäse aus dem Laden nebenan, fertig.

Wo übernachtest du am besten in Pacentro?
Große Hotels gibt es hier nicht, dafür kleine Häuser mit wenigen Zimmern und ein Berghotel oben am Pass. Wer über Nacht bleibt, bekommt den Ort so, wie ihn Tagesgäste nie sehen: leer, still und ab Sonnenuntergang nur von den Gassenlaternen beleuchtet.
| Unterkunft | Das erwartet dich |
|---|---|
| Albergo Celidonio Passo San Leonardo | Hotel oben am Passübergang auf 1.280 Metern, zwischen Morrone und Majella. Ausgangspunkt für Wanderungen, im Winter für Schneeschuhtouren. |
| Fattoria La Tana della Volpe bei Pacentro | Bio-Agriturismo an den Hängen des Nationalparks Majella, wenige Minuten vom Ort entfernt, mit eigener Landwirtschaft. |
| Rocca Lorenizo Pacentro | Country Relais mit wenigen Zimmern, gehobene Ausstattung bei betont unkompliziertem Ton. |
| B&B In Centro Pacentro, Ortskern | Bed and Breakfast mit vier Zimmern, Fernseher und WLAN, mitten im mittelalterlichen Kern. |
Die Gemeinde führt darüber hinaus mehrere kleine Bed and Breakfasts im Ort. In der Woche um die Corsa degli Zingari Anfang September ist alles früh ausgebucht.
Wann ist die beste Reisezeit für Pacentro?
Mai und Juni sowie September und Oktober. Auf 700 Metern bleibt es im Frühsommer angenehm, wenn unten in der Valle Peligna schon die Hitze steht, und im Herbst färben sich die Buchenwälder rundherum, ohne dass die Wege schon vereist wären. Beide Zeiträume sind auch die besseren zum Wandern, weil die Hochlagen der Majella dann schneefrei und trotzdem nicht ausgedörrt sind.
Der August bringt das volle Dorfleben mit der Sagra della Polta und der historischen Rekonstruktion Mitte des Monats, aber auch die meisten Gäste. Der Winter ist die stillste Zeit: Der Passo San Leonardo auf 1.280 Metern liegt regelmäßig unter Schnee, im Ort selbst hast du die Gassen praktisch für dich, und das Castello hat trotzdem offen. Was das Wetter gerade macht, siehst du in der Vorhersage für die Abruzzen.

Welche Feste und Feiern solltest du einplanen?
Pacentro feiert über das ganze Jahr verteilt, und fast jedes dieser Feste hat einen Bezug zum Berg oder zur Landwirtschaft. Acht Termine wiederholen sich verlässlich.
| Termin | Fest |
|---|---|
| Karfreitag | Prozession am Karfreitag, der eindrücklichste der Osterbräuche des Ortes |
| 25. April | Fest des Evangelisten Markus, begleitet von einer kleinen Landwirtschaftsmesse |
| Erste Augustdekade | Sagra della Polta, das Fest rund um den Gemüseeintopf des Ortes |
| 16. und 17. August | Historische Rekonstruktion der Ritterwerbung Antonio Caldoras von 1450, Zug vom Castello durch die Gassen |
| Erster Sonntag im September | Fest der Madonna di Loreto mit der Corsa degli Zingari |
| Vierter Sonntag im September | Patronatsfest für San Crescenzo |
| 7. Oktober | Fest der Rosenkranzmadonna |
| 4. November | Fest des heiligen Karl Borromäus, von den Bruderschaften mit bemalten Papierballons begangen |
Rund um die Feste im August und September wird es im Ort eng: Wer an diesen Wochenenden kommt, bucht Unterkunft und Tisch mehrere Wochen vorher. Welche Termine sonst noch in der Region anstehen, sammelt der Überblick zu den Veranstaltungen in den Abruzzen.
Was du über Pacentro wissen solltest
Fünf Dinge sagt dir kein Prospekt, und alle fünf ändern nichts daran, dass sich die Fahrt lohnt.
1. Der Ort ist steil. Zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt der Altstadt liegen etliche Höhenmeter, verteilt auf Treppen und Kopfsteinpflaster. Rechne für einen Rundgang mit Pausen und plane den Abstecher zur Burg auf den Anfang, solange die Beine frisch sind.
2. Die kleinen Museen halten keine festen Zeiten. Das Museo Civico im Rathaus, die Casa Marlurita, ein originalgetreu eingerichtetes Wohnhaus des 19. Jahrhunderts, und das Pastificio Morrone öffnen nach Absprache. Ein Anruf im Rathaus unter 0864 41114 vor der Anreise erspart dir die verschlossene Tür.
3. Ohne Auto wird es zäh. Bahn und Flughafen bringen dich bis Sulmona und Pescara, die letzten Kilometer bergauf musst du organisieren. Wer zwei Nächte bleibt und einen Mietwagen nimmt, bekommt dafür Sulmona, Cocullo und den Passo San Leonardo gratis dazu.
4. Abends wird es früh still. Eine Handvoll Lokale, keine Bars mit Musik, nach zehn nur noch Gassenlaternen. Genau das ist für viele der Grund herzukommen, und es macht den Ort zum besten Platz für einen langen Abend auf einer Terrasse.
5. Am ersten Septemberwochenende gehört der Ort dem Fest. Zufahrten dicht, Parkplätze weg, Betten seit Wochen vergeben. Wer die Corsa degli Zingari sehen will, plant genau das ein. Wer den Ort still erleben will, kommt eine Woche später und hat die Gassen für sich.
Für wen lohnt sich Pacentro?
Für Wanderer. Der Ort ist Eingangstor und Herz des Nationalparks Majella zugleich; vom Ortsrand geht es direkt in die Buchenwälder, zum Wasserfall im Vallone und weiter zum Passo San Leonardo.
Für Fotografen. Die Türme im Morgenlicht von der Talseite, die Dächer im Abendlicht von oben: Pacentro liefert an einem einzigen Tag zwei völlig verschiedene Bilder.
Für Kulturreisende. Eine Burg des 10. Jahrhunderts, eine Kirche von 1047, ein flämisches Altarbild und ein Schandstein auf engstem Raum, ohne Warteschlange davor.
Für Genießer. Bergküche mit eigenem Gericht, ein Wein mit eigener Unterzone und ein Knoblauch, den es sonst nirgends gibt.
Weniger für Familien mit Kinderwagen. Treppen, Pflaster und Steigungen machen den Kern beschwerlich. Mit Tragetuch und einem Ziel statt fünfen funktioniert der Besuch trotzdem.
Kombiniere Pacentro mit Sulmona, Cocullo und dem Passo San Leonardo
Pacentro allein füllt einen halben Tag. Drei Ziele in der Nachbarschaft machen daraus zwei runde Tage.
Sulmona liegt unten im Tal und ist der historische Mittelpunkt der Valle Peligna, bekannt vor allem für die Confetti, die Zuckermandeln der Stadt. Von dort sind es zur Abbazia di Santo Spirito al Morrone und weiter hinauf zum Eremo di Sant’Onofrio, der Einsiedelei des späteren Papstes Coelestin V., nur wenige Minuten. Die Abtei ist montags geschlossen, dienstags und samstags von 9 bis 19.30 Uhr geöffnet, mittwochs bis freitags und sonntags von 9 bis 13.30 Uhr.
Cocullo, gut eine halbe Stunde westlich, hat das ungewöhnlichste Fest der Abruzzen: Beim Schlangenfest am ersten Mai tragen die Bewohner eine Heiligenfigur durch den Ort, die über und über mit lebenden Nattern behängt ist.
Der Passo San Leonardo auf 1.280 Metern ist der Übergang zwischen Monte Morrone und Majella und der schönste Weg nach Osten. Wer weiterfährt, landet in Campo di Giove und im Skigebiet an der Ostflanke des Massivs. Die ganze Region im Überblick findest du im Abruzzen Travel Guide.
Das beste Bild von Pacentro machst du außerhalb von Pacentro
Im Ort selbst stehst du immer zu nah dran. Zwei Punkte davor lösen das Problem. Von der Flur Muscarella siehst du das alte Dorf im Ganzen, gestaffelt am Hang, mit den vier Türmen als Abschluss. Und aus der Kurve, die im Ort nur curva di Agnese heißt, wirkt Pacentro von oben wie eine steinerne Schlange, die sich in den Wald schiebt.
Fahr die Zufahrtsstraße nach der ersten Besichtigung noch einmal langsam hinunter und halte an beiden Stellen. Am schönsten ist es kurz nach Sonnenaufgang, wenn das Licht von der Talseite kommt und die Türme noch Schatten werfen.
Unser Fazit: Pacentro ist der Umweg wert, den es kostet
Pacentro gehört zu den Orten, die man nicht auf dem Weg irgendwohin mitnimmt. Man fährt hin. Dafür bekommt man ein Dorf, das seine Geschichte nicht restauriert hat, sondern behalten: eine Burg aus dem 10. Jahrhundert, an der jedes Jahrhundert weitergebaut hat, eine Kirche von 1047, Gassen, die unter Häusern hindurchführen, und einen Stein, auf dem man früher öffentlich gedemütigt wurde.
Preislich ist der Besuch fast umsonst. Der Ort kostet nichts, die Wege im Nationalpark kosten nichts, bezahlt wird die Burg und, wenn du unten in Sulmona weitermachst, die Abtei mit 5,00 €. Das teuerste an der Reise ist die Anfahrt, und die lohnt sich erst richtig, wenn du zwei Nächte bleibst statt nur durchzufahren.
Der nächste Schritt: Leg die Fahrt auf Mai, Juni, September oder Oktober, buche ein Zimmer im Ort statt unten in Sulmona und plane den ersten Vormittag für das Castello ein. Wer die ganze Region drumherum sortieren will, fängt am besten im Abruzzen Travel Guide an.
Karte: Pacentro, Abruzzen
Bildergalerie: Pacentro
FAQ - Häufig gestellte Fragen zu Pacentro
Erlebnisse & Sehenswürdigkeiten
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Quellen und weiterführende Infos
- Regione Abruzzo, Castello Caldora – Pacentro (abgerufen September 2026)
- I Borghi più belli d’Italia, Pacentro (abgerufen September 2026)
- Parco Nazionale della Majella, Pacentro (abgerufen September 2026)
- Parco Nazionale della Majella, Dati generali (abgerufen September 2026)
- Comune di Pacentro, Ospitalità (abgerufen September 2026)
- Ministero della Cultura, Abbazia di Santo Spirito al Morrone (abgerufen September 2026)
- Regione Abruzzo, Corsa degli Zingari di Pacentro (abgerufen September 2026)
- Associazione Culturale Pacentrana (abgerufen September 2026)






















