Vor den French Open: Djokovic knackt die magische Marke und setzt ein Ausrufezeichen.
100 Titel, 24 Grand Slams – Novak Djokovic bleibt ein Phänomen des Welttennis.
In einer Zeit, in der viele seiner früheren Rivalen den Schläger bereits an den Nagel gehängt haben, schreibt er weiter Geschichte. Nur wenige Tage vor Beginn der French Open in Paris krönte sich der 38-jährige Serbe mit einem weiteren Meilenstein: dem 100. Turniersieg seiner außergewöhnlichen Karriere. Den Triumph sicherte er sich beim ATP-Turnier in Genf mit einem dramatischen Finalsieg gegen den Polen Hubert Hurkacz.
Triumph nach Durststrecke
Es war kein Spaziergang, sondern ein harter Prüfstein. Im Finale der Genfer Sandplätze geriet Djokovic zunächst ins Hintertreffen und verlor den ersten Satz mit 5:7, doch der Champion zeigte einmal mehr, warum er in der Geschichte des Tennis so weit oben steht: Mit mentaler Stärke und taktischer Raffinesse drehte er das Match. Zwei Tiebreaks, die er beide mit 7:2 gewann, zementierten seinen Sieg nach über drei Stunden Spielzeit.
Besonders bemerkenswert ist, dass dieser Erfolg nach einer Phase kommt, die man bei Djokovic fast schon als „Krise” bezeichnen könnte. Bei den Australian Open musste er im Halbfinale gegen Alexander Zverev verletzungsbedingt aufgeben, danach folgten überraschende Niederlagen in frühen Runden – ein Zustand, der bei einem Spieler seines Kalibers selten ist und umso mehr Fragen aufwarf. Ist Djokovic noch der Alte? Hat das Alter ihn eingeholt?
Die Antwort gab er nun selbst auf dem Platz: mit Schweiß, Präzision und unerschütterlichem Kampfgeist.
Eine Karriere wie aus Stein gemeißelt
Djokovics 100. Titel ist mehr als nur eine runde Zahl. Er ist der Beweis für unerschütterliche Konstanz. In jedem der letzten 20 Jahre hat er mindestens ein Turnier gewonnen – eine Bilanz, die selbst im schnelllebigen und erbarmungslosen Profi-Tennis einzigartig ist. Nur zwei Legenden überragen ihn noch in der reinen Titelanzahl: Jimmy Connors mit 109 und Roger Federer mit 103 Erfolgen.
Doch während Federer seinen Ruhestand genießt und Connors Geschichte ist, kämpft Djokovic weiter um jeden Punkt, jeden Sieg, jeden Rekord. Mit 24 Grand-Slam-Titeln ist er bereits alleiniger Spitzenreiter in der prestigeträchtigsten Kategorie des Tennissports.
Sein allererster Turniersieg liegt fast zwei Jahrzehnte zurück: 2006 im niederländischen Amersfoort. Wer damals auf eine so lange und dominante Karriere gesetzt hätte, wäre als Träumer belächelt worden. Heute ist klar: Djokovic hat die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern bei Weitem übertroffen.
Paris ruft – und Djokovic ist bereit.
Mit dem Rückenwind aus Genf im Gepäck reist er nun nach Paris, wo am Sonntag die French Open, das wohl physisch anspruchsvollste Grand-Slam-Turnier des Jahres, beginnen. Dreimal hat er dort bereits triumphiert. Doch in diesem Jahr ist der Druck besonders hoch: Die Konkurrenz schläft nicht und Djokovic selbst kennt seine körperlichen Grenzen inzwischen besser denn je.
In der ersten Runde wartet mit dem US-Amerikaner Mackenzie McDonald ein talentierter, aber auf Sand limitierter Gegner auf ihn. Ein klarer Auftaktsieg wäre wichtig, um den Rhythmus zu finden und sich für mögliche Kracher in den späteren Runden zu wappnen. Besonders brisant: Im Viertelfinale könnte es zum Wiedersehen mit Alexander Zverev kommen, gegen den Djokovic bei den Australian Open verletzungsbedingt passen musste.
Es wird ein Grand Slam mit vielen Fragezeichen, aber mit einem klaren Ausrufezeichen vor dem Start: Novak Đoković ist noch lange nicht fertig. Wer ihn abschreibt, hat offenbar nicht verstanden, dass sich Legenden nie an Rückschlägen messen lassen, sondern an ihrer Fähigkeit, immer wieder aufzustehen.
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