Niedrigwasser im Tiber: Antike Brücke taucht in Rom auf
Die anhaltende Trockenheit legt die Pfeiler der Pons Neronianus im Flussbett frei
Rom – Die anhaltende Trockenheit hat den Tiber in Rom auf einen der niedrigsten Stände seit Jahren sinken lassen. Aus dem Flussbett ragen inzwischen die Reste einer antiken römischen Brücke empor. Das Bild vom freigelegten Mauerwerk führt vor Augen, wie eng Wasserknappheit und kulturelles Erbe der Stadt beieinanderliegen.
Bei den sichtbaren Steinblöcken handelt es sich um Überreste der Pons Neronianus, der sogenannten Brücke des Nero. Die Reste liegen im Bereich unterhalb der heutigen Ponte Vittorio Emanuele II, unweit der Engelsburg und des Vatikans. Bei normalem Pegel bleiben sie größtenteils unter der Wasseroberfläche verborgen und werden erst nach längeren regenarmen Perioden wieder sichtbar.
Die Brücke entstand in der frühen Kaiserzeit, vermutlich unter Caligula oder Nero. Ein sicherer Beleg für Neros Rolle beim Bau fehlt allerdings. Möglicherweise geht der Name auf die umliegende Gegend zurück, die im Mittelalter noch als „Ebenen des Nero“ bezeichnet wurde. Die Brücke verband den Campus Martius mit dem vatikanischen Ufer und war Teil der Via Triumphalis, über die siegreiche Feldherren bei Triumphzügen in die Stadt zogen.
Schon im 4. Jahrhundert war der Übergang nicht mehr in Gebrauch. Im Mittelalter trug er den Namen Pons ruptus, die zerbrochene Brücke. Pläne aus der Renaissance zur Wiederherstellung wurden nie umgesetzt. Im 19. Jahrhundert entfernte man mehrere Pfeiler, um die Schifffahrt auf dem Fluss zu erleichtern. Was heute im Wasser liegt, sind vor allem die Fundamentreste.
Fachleute weisen darauf hin, dass die Ruinen regelmäßig auftauchen, sobald der Wasserstand des Tibers stark fällt. Damit dient das antike Mauerwerk zugleich als Gradmesser für die Trockenheit, unter der weite Teile Italiens leiden. Ungewöhnlich hohe Temperaturen und ausbleibende Niederschläge haben den Pegel in den vergangenen Wochen deutlich gedrückt.
Für Rom ist das Bild der aufgetauchten Brücke mehr als eine archäologische Randnotiz. Es verbindet die Sorge um die Wasserversorgung mit dem Blick auf zwei Jahrtausende Stadtgeschichte. Sinkt der Fluss, gibt er einen Teil jener Vergangenheit frei, die sonst im Verborgenen bleibt.



















