Rom – Hohe Mieten, explodierende Immobilienpreise und steigende Kreditkosten: Der Traum von den eigenen vier Wänden ist für Italiens Jugend in weite Ferne gerückt. Laut einem aktuellen Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der nun dem Wohnungsausschuss des Europäischen Parlaments vorliegt, ist das Phänomen der „Bamboccioni“ (Nesthocker) längst kein Klischee mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Italien belegt hinter Südkorea den zweiten Platz unter den Industrienationen, wenn es darum geht, wie viele junge Erwachsene noch im „Hotel Mama“ residieren.
Italien als Schlusslicht im europäischen Vergleich
Während der OECD-Durchschnitt der bei den Eltern lebenden 20- bis 29-Jährigen bei etwa 50 % liegt, sprengt Italien mit einer Quote von fast 80 % alle Rekorde. Nur jeder fünfte junge Erwachsene im Belpaese schafft es, sich ein eigenständiges Leben außerhalb des Elternhauses zu finanzieren. Der Kontrast zu Nordeuropa ist gewaltig: In Dänemark und Finnland verlassen rund 90 % der jungen Menschen vor ihrem 30. Geburtstag das elterliche Nest. Auch Deutschland (ca. 30 %) und Frankreich (ca. 40 %) schneiden deutlich besser ab als Italien, das sich in dieser Statistik in Gesellschaft von Spanien, Griechenland und Polen befindet.
Existenzängste durch Immobilienkrise
Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielschichtig. Neben dem traditionell starken Familienzusammenhalt in Italien sind es vor allem ökonomische Hürden, die den Auszug verhindern. Ein Bericht der Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore hebt hervor, dass fast 60 % der Italiener zwischen 18 und 24 Jahren große Angst haben, in den nächsten zwei Jahren keinen angemessenen Wohnraum finden zu können.
Zusätzlich verschärft wird die Lage durch eine wachsende Einkommensschere: Eine junge Familie verdient heute im Durchschnitt 30 % weniger als eine ältere Generation – in den 1990er Jahren war dieses Verhältnis noch ausgeglichen. Der hohe Kostenaufwand für Mieten und der erschwerte Zugang zu Hypotheken machen den Erwerb von Wohneigentum für unter 40-Jährige nahezu unmöglich, selbst wenn der Wunsch danach bei über einer Million junger Menschen besteht.



















