Bis zu 15 Stunden am Handy: Italiens Jugend und die digitale Abhängigkeit
Zwischen Dauerscrollen und dem Wunsch, endlich abzuschalten
Rom – Fünfzehn Stunden am Tag mit dem Blick aufs Display: Was nach einer Ausnahme klingt, schildern in Italien immer mehr Jugendliche als ihren Alltag. Berichte von jungen Menschen, die morgens als Erstes und abends als Letztes zum Smartphone greifen und irgendwann selbst erschrocken feststellen, dass sie süchtig sind, rücken ein Problem in den Fokus, das längst eine ganze Generation betrifft.
Die Zahlen dahinter sind eindeutig. Nach Erhebungen eines italienischen Observatoriums für digitale Bildung bezeichnen sich mehr als drei Viertel der befragten Jugendlichen als abhängig von ihren Geräten – Tendenz steigend. Innerhalb eines Jahres kletterte der Anteil um rund fünf Prozentpunkte. Nur etwa jeder Fünfte gibt an, gar keine Abhängigkeit zu verspüren. Und wer den Konsum bewusst zurückfahren will, scheitert häufig: Lediglich rund ein Viertel derjenigen, die es versuchen, berichtet von Erfolg.
Besonders alarmierend sind die selbst wahrgenommenen Folgen. Über neun von zehn jungen Nutzern erkennen negative Auswirkungen auf ihre körperliche oder seelische Gesundheit an – von Schlafmangel und Konzentrationsproblemen bis zu innerer Unruhe. Fachleute weisen darauf hin, dass Mädchen zusätzlich stärker unter Cybermobbing und dem sozialen Vergleichsdruck auf den Plattformen leiden.
In den Erfahrungsberichten klingt aber auch Hoffnung an. Viele Jugendliche schildern, wie sie den Punkt erkennen, an dem das Handy die Kontrolle übernimmt, und bewusst gegensteuern: bildschirmfreie Zeiten, Apps zur Nutzungskontrolle, wieder mehr analoge Treffen mit Freunden. Das bewusste Abschalten wird zum eigenen kleinen Projekt.
Die Debatte reicht weit über einzelne Familien hinaus. In Schulen wird über Handyverbote gestritten, Pädagogen fordern mehr digitale Bildung statt bloßer Verbote, und auch die Politik beschäftigt sich zunehmend mit dem Jugendschutz im Netz. Klar ist: Ein Zurück in die Zeit vor dem Smartphone wird es nicht geben. Umso wichtiger, so der Tenor, sei es, den Umgang damit zu lernen – bevor aus einer Gewohnheit eine Sucht wird.



















