In Zeiten der Not zeigt sich, wie Menschen wirklich sind. Kaum jemand hat das so elegant formuliert wie der Florentiner Dichter Giovanni Boccaccio. Sein Decameron beginnt mit einem Satz, der heute so trägt wie im 14. Jahrhundert.
Umana cosa è aver compassione degli afflitti.
Het is menselijk om mee te leven met degenen die lijden.
Was bedeutet Boccaccios Zitat?
Mit diesem Satz beginnt das Decameron. Boccaccio stellt das Plädoyer für Empathie an den Anfang seiner Novellensammlung und begründet damit sein ganzes literarisches Vorhaben. Er schreibt mitten in der Krise — die Pest wütet in Florenz — und will Trost spenden.
Entscheidend ist das Wort umana: Mitgefühl ist für ihn keine göttliche Tugend, sondern eine menschliche Eigenschaft. Sie ist der Kitt, der eine Gesellschaft selbst dann zusammenhält, wenn alles andere zusammenbricht.
Wer war Giovanni Boccaccio?
Giovanni Boccaccio (1313–1375) gilt neben Dante Alighieri und Francesco Petrarca als eine der tre corone, der drei Kronen der italienischen Literatur. Er war ein Wegbereiter der Renaissance und prägte die europäische Literaturgeschichte nachhaltig.
Sein Hauptwerk, das Decameron, versammelt hundert Novellen, die sich zehn junge Florentiner auf der Flucht vor der Pest erzählen. Mit lebendiger Prosa und weltlichen Stoffen machte er die Novelle zur ernstzunehmenden Kunstform. Er war es auch, der Dantes Commedia das Attribut Divina verlieh.
Wo kommst du Boccaccio näher?
Fahr nach Certaldo in der Toskana, sein Heimatstädtchen. In der Casa Boccaccio wandelst du auf seinen Spuren, und die Altstadt auf dem Hügel wirkt noch immer wie eine Kulisse aus dem Decameron.
Alternativ setz dich mit einer guten Ausgabe des Decameron in einen Garten und lies ein paar Novellen — genau so, wie es Boccaccios Figuren tun.
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