Lima – Zwei Tage nach dem Absturz eines Rundflugzeugs über den Nazca-Linien arbeiten die peruanischen Ermittler an vier Hypothesen: mechanisches Versagen, ein Strukturschaden, schwere Winde und menschliches Versagen. Sieben der dreizehn Todesopfer sind Italiener. Ein Video, das während des Fluges entstand, zeigt, wie sich Teile von der Maschine lösen, bevor sie ins Trudeln gerät.
Die Cessna 208B Grand Caravan der peruanischen Gesellschaft Aerodiana war am Samstag um 12.10 Uhr Ortszeit vom Flughafen Pisco an der Südküste gestartet. Knapp fünfzig Minuten später setzte die Besatzung einen Notruf an den Tower von Nazca ab; nach Darstellung der peruanischen Regierung meldete sie ein mechanisches Problem. Danach brach der Funkkontakt ab. Die Maschine stürzte nahe dem Flugplatz María Reiche in landwirtschaftliches Gelände und fing sofort Feuer, was die Bergung erschwerte. Niemand überlebte. Neben den sieben Italienern starben zwei Deutsche, zwei Spanier und die Besatzung.
Die italienischen Opfer stammen aus zwei befreundeten Familien aus der Brianza: eine vierköpfige Familie aus Monza, Eltern und zwei Söhne im Alter von 24 und 18 Jahren, sowie eine dreiköpfige Familie aus Seregno, ebenfalls mit einem 24-jährigen Sohn. Außenminister Antonio Tajani steht in Kontakt mit dem italienischen Botschafter in Lima, der Personal an den Unglücksort entsandt hat. Botschaft und Außenministerium koordinieren die Rückführung der Leichname und die Betreuung der Angehörigen.
Die Rundflüge über die Nazca-Linien haben eine belastete Bilanz
Perus Präsidentin prüft, den Flughafen Pisco vorläufig zu schließen; eine Entscheidung soll erst nach Abschluss der Untersuchung fallen. Die Nazca-Linien, seit 1994 Weltkulturerbe, sind nur aus der Luft zu erkennen – kurze Rundflüge ab Pisco oder ab dem Platz María Reiche sind daher die übliche Besichtigungsform.
Sicher waren diese Flüge nie. In den vergangenen achtzehn Jahren kamen bei mindestens vier weiteren Unglücken Touristen ums Leben: 2008 bei einer Kollision mit einer Stromleitung, 2010 gleich zweimal nach technischen Defekten, zuletzt 2022 kurz nach dem Start. Nach der Häufung von 2010 verschärfte Peru die Auflagen für die Anbieter. Kritisiert werden seit Jahren die engen Kurvenmanöver, mit denen die Piloten den Passagieren beide Fensterseiten bieten, die starken Wüstenwinde und der Zustand der teils betagten Flotten kleinerer Betreiber.




















