Rom – Ein schulisches Thema ist in Italien überraschend zum Gegenstand hitziger kultureller Auseinandersetzungen geworden. Im Mittelpunkt der Debatte steht der historische Roman „I Promessi Sposi“ von Alessandro Manzoni. Auf Plattformen wie TikTok, Instagram und X geht derzeit die Frage viral, ob das als Meisterwerk der italienischen Literatur geltende Buch aus den ersten beiden Jahren der Oberschule verbannt werden soll.
Die Idee stammt aus einem Entwurf für neue nationale Richtlinien für Gymnasien, der von einer Expertenkommission des Bildungsministeriums ausgearbeitet wurde. Geleitet wird die Gruppe von der Pädagogin Loredana Perla und koordiniert von Professor Claudio Giunta. Der Vorschlag sieht vor, die verpflichtende Lektüre des Romans im sogenannten Biennio, den ersten zwei Oberschuljahren, abzuschaffen. Lehrkräfte könnten stattdessen sprachlich leichter zugängliche Texte wählen und Manzoni erst im vierten Schuljahr behandeln. Bildungsminister Giuseppe Valditara stellte jedoch klar, dass diese Überlegung noch keine endgültige Entscheidung des Ministeriums sei und der Entwurf nicht seine Unterschrift trage.
Schülerproteste und Lehrer-Debatte
Auslöser des viralen Streits waren Beiträge von Schülern, die sich über die komplexe Sprache Manzonis beklagten. Kritiker befürchten, das Werk sei zu weit von der Lebensrealität Jugendlicher entfernt und mache ihnen das Lesen madig. Unter Hashtags wie #viaipromessisposi oder #manzonibasta sammeln sich auf TikTok tausende Kommentare. Manche Schüler machen sich über die berühmten Anfangszeilen des Romans lustig, die zu Audio-Parodien umfunktioniert wurden.
Die Reaktionen aus der Kultur- und Bildungswelt fallen gespalten aus. Einige Universitätsprofessoren und Lehrkräfte verteidigen den Klassiker und betonen, dass nicht das Buch das Problem sei, sondern die Art der Vermittlung. Ein Verzicht auf Manzoni in den ersten Jahren käme einer kulturellen Verarmung gleich. Andere Pädagogen wiederum unterstützen den Vorschlag: Schüler hätten zunehmend Schwierigkeiten mit langen, komplexen Texten. Eine spätere Einführung des Werkes, wenn zuvor zeitgenössische Romane oder Graphic Novels gelesen wurden, sei sinnvoller. Die Kontroverse um Manzoni offenbart somit eine viel grundlegendere Diskussion: Welche Rolle spielen literarische Klassiker heute noch in der Schule und wie können sie einer digital geprägten Generation nähergebracht werden?



















