Algenblüten an den Küsten, Rekordwärme bis in 40 Meter Tiefe
Von Apulien bis Ligurien greifen die Behörden ein – auch Seen und Alpen zeigen die Folgen
Rom – Das Mittelmeer verliert in diesem Sommer stellenweise seine Postkartenfarbe. An mehreren Küstenabschnitten haben die regionalen Umweltbehörden Alarm ausgelöst, weil sich die mikroskopische Alge Ostreopsis ovata massenhaft vermehrt. In Apulien wurden vier Abschnitte als rote Zonen eingestuft, darunter Torre Canne, Molfetta, Giovinazzo und Porto Badisco. Bei Torre Canne maßen die Prüfer über 100.000 Zellen pro Liter – der Warnwert liegt bei 30.000.
Die Alge liebt ruhiges, warmes und gut durchlichtetes Wasser; nach zehn bis fünfzehn windstillen Tagen kann sie explosionsartig zunehmen. Gefährlich wird sie vor allem, wenn Wind und Wellengang das enthaltene Gift in feine Wassertröpfchen tragen. Typische Beschwerden reichen von gereizten Atemwegen und Bindehautentzündungen bis zu Hautreizungen und Fieber, meist mild und vorübergehend. Meldungen liegen auch aus der Toskana, dem Latium, Ligurien, Sizilien und den Abruzzen vor; in Genua wurde für einen Strand die Alarmstufe ausgerufen, im Palermitaner Ortsteil Sferracavallo galt zeitweise ein Badeverbot.
Auch die Binnengewässer sind betroffen. Am Iseosee wurden im Juni mehr als 400 und im Juli bereits über 500 Tonnen Algenmasse aus dem Wasser geholt – im gesamten Vorjahressommer waren es 600 Tonnen. Eine Anlegestelle musste gesperrt werden. Am Comer See warnten die Behörden vor potenziell giftigen Cyanobakterien und verhängten Badeverbote.
Der Hintergrund ist die Erwärmung. Messreihen an Unterwasserstationen in italienischen Meeresschutzgebieten zeigen Temperaturen von bis zu 25 Grad noch in 30 bis 40 Metern Tiefe. Vor der sardischen Insel Asinara lagen die Werte in der Sommerphase mehr als drei Grad über dem langjährigen Mittel, die Hitzephase hielt dort rund 41 Tage an. Die Folgen sind sichtbar: Gorgonien und Steinkorallen bleichen und sterben ab, wärmeliebende, eingeschleppte Arten breiten sich aus.
Selbst die Berge liefern Belege. In den lombardischen Alpen wurden blühende Alpenrosen auf 3.400 Metern beobachtet, Murmeltiere halten kürzeren Winterschlaf, und Vogelarten der Hochlagen geraten unter Druck. Für Badegäste gilt derweil der einfache Rat, auf die Aushänge an den Stränden zu achten: Wo die Behörden Grenzwerte überschritten sehen, wird die Flagge rot – und das Baden vorübergehend untersagt.



















