In Südtirol ist die Zahl der gehaltenen Schweine in den vergangenen 25 Jahren um etwa 85 Prozent zurückgegangen. Während Mitte der 1990er-Jahre noch mehrere zehntausend Tiere gezählt wurden, liegt der Bestand heute bei rund 4.000 Schweinen. Dies steht in starkem Kontrast zur wachsenden Nachfrage nach Südtiroler Speck, der als geschütztes regionales Produkt weltweit beliebt ist. Dennoch wird der Großteil des dafür benötigten Fleisches importiert, vor allem aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden.
Das Südtiroler Speckkonsortium sieht die Ursachen für den Rückgang der heimischen Schweinezucht unter anderem im florierenden Tourismus. Einerseits würden landwirtschaftliche Flächen zunehmend touristisch genutzt, andererseits passe der Geruch von Schweineställen nicht zum gepflegten Urlaubsimage der Region. Bauern würden deshalb ihre Tierhaltung einstellen oder gar nicht erst aufnehmen.
Diese Sichtweise ruft jedoch Widerspruch hervor. Landwirte betonen, dass weniger der Tourismus, sondern vielmehr wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend seien. Die regionale Schweinezucht lohne sich für viele Betriebe nicht, da der Aufwand und die Kosten höher seien als die Erlöse. Zwar existiert seit zwei Jahrzehnten ein spezielles Projekt für Bauernspeck, dessen Umfang bleibt jedoch vergleichsweise gering und kann die starke Importabhängigkeit nicht auffangen.
Auch der Hoteliers- und Gastwirteverband weist die Kritik zurück. Der Tourismus trage nicht die Verantwortung für das Verschwinden der Schweinezucht. Vielmehr bestehe das Interesse, regionale Qualitätsprodukte stärker in die Gastronomie einzubinden. Schuldzuweisungen schadeten dem Image der Urlaubsregion, ohne die strukturellen Probleme der Landwirtschaft zu lösen.
Obwohl das Thema zunehmend emotional diskutiert wird, bleibt die wirtschaftliche Realität bestehen. Die heimische Schweinezucht steht unter erheblichem Druck, während der Südtiroler Speck seinen Platz als gefragtes Exportprodukt behauptet. Der Konflikt zwischen Landwirtschaft und Tourismus verdeutlicht dabei grundlegende Fragen zur Nutzung knapper Ressourcen und zur regionalen Wertschöpfung.




















