Bozen – Erstmals seit dem Jahr 2000 haben Forscher in Südtirol wieder eine Kolonie der Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) nachgewiesen. Die seltene und europaweit streng geschützte Fledermausart wurde im Rahmen eines Artenmonitorings entdeckt. Dieses Projekt wird seit 2023 gemeinsam von Eurac Research, dem Naturmuseum Südtirol und dem Landesamt für Natur durchgeführt.
Für den Nachweis der Kolonie waren laut Julia Locher, Forscherin bei Eurac Research, intensive Vorarbeiten und viele Nachtschichten im Gelände notwendig. Zwei Exemplare der Bechsteinfledermaus wurden bei einer Fangaktion mit Netzen identifiziert. Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn andere Erfassungsmethoden wie akustische Aufnahmen oder Fledermauskästen nicht ausreichen, um eine Art sicher zu bestimmen.
Telemetrie führt zu Wochenstube im Etschtal
Eine der gefangenen Bechsteinfledermäuse wurde besendert, was den eigentlichen Nachweis der Kolonie, einer sogenannten Wochenstube, ermöglichte. Die Telemetrie führte die Forschenden im Etschtal zu einem alten Baum, in dem sich etwa 40 Tiere aufhielten. Solche Wochenstuben sind nur in Landschaften mit prägenden Elementen möglich, wie Giulia Ligazzolo vom Landesamt für Natur erklärt.
Die Bechsteinfledermaus nutzt große, alte Bäume in tiefen Lagen als Tagesschlafplatz und zur Aufzucht ihrer Jungtiere. Sie besiedelt vor allem Spechthöhlen und Faulstellen in Altbäumen, häufig in Eichen oder Buchen. Auch alte Obstbäume in Streuobstwiesen und Kastanienhaine bieten der Art geeignete Wohnmöglichkeiten.
Amtsdirektor Leo Hilpold betont die Bedeutung alter Baumbestände und strukturreicher Laubwälder für den Erhalt dieser Art. Er weist darauf hin, dass diese in einer auf wirtschaftliche Optimierung ausgerichteten Land- und Forstwirtschaft selten geworden sind. Der Erhalt alter Baumbestände leistet somit einen aktiven Beitrag zum Artenschutz und ist eine Voraussetzung für das dauerhafte Überleben der Bechsteinfledermaus in Südtirol.





















