Wie jedes Jahr war der Start in Brescia ein Ereignis für sich. Auf der traditionsreichen Viale Venezia tummelten sich nicht nur Einheimische und Motorsportfans, sondern auch Touristen und neugierige Passanten, die sich das Spektakel der 430 rollenden Klassiker nicht entgehen lassen wollten. Es war eine Parade automobiler Superlative: Vom Alfa Romeo 6C über den Bugatti T 40 bis hin zu Lancia-Spitzenmodellen – jede Karosse erzählte ihre eigene Geschichte.
Besonders emotional wurde es beim Start des Starkochs Carlo Cracco, der gemeinsam mit Ezio Ronzoni im Bugatti T 40 von 1927 an den Start ging: „Die 1000 Miglia mit einem Bugatti zu fahren, ist pure Emotion – wie eine Zeitreise.“ Auch der amtierende Champion Andrea Vesco zeigte sich zuversichtlich: „Der Tag ist schön, wir sind vorbereitet – jetzt heißt es, frisch und konzentriert zu bleiben.“
Historische Route mit mediterranem Flair
Die erste Etappe führte die Oldtimer-Karawane durch das östliche Umland von Brescia, über Villanuova sul Clisi, vorbei an den herrlichen Uferpromenaden des Gardasees, durch Manerba, Moniga und Padenghe. In Desenzano del Garda versammelten sich an der Seepromenade Cesare Battisti nicht nur die Teilnehmer der Hauptklasse, sondern auch die 123 Ferraris des „Tribute 1000 Miglia“ – ein modernes Pendant zum Klassiker.
Weiter ging es zur Scaligerburg von Sirmione, die mit ihrem mittelalterlichen Flair eine perfekte Kulisse für die Zeitprüfungen bot.
Rückkehr nach Verona und spannende Prüfungen entlang des Po
Für viele Fans besonders erfreulich war die Rückkehr auf die Piazza Bra vor der imposanten Arena von Verona, die zuletzt 2022 Teil der Route war. In der venezianischen Ebene bei Bovolone wartete eine Kombination aus Stempel- und Zeitkontrolle, bevor bei Stienta entlang des Po eine anspruchsvolle Serie von zehn Prüfungen den Tag abrundete.
Und wer steht nach diesen ersten Herausforderungen ganz oben auf dem Tableau? Wieder einmal das Duo Andrea Vesco und Fabio Salvinelli im Alfa Romeo 6C 1750 SS von 1929. Für alle, die die 1000 Miglia in den letzten Jahren verfolgt haben, ist das ein vertrauter Anblick. Dicht auf den Fersen sind Erejemovic-Llanos und Belometti-Ricca, die ebenfalls mit Fahrzeugen aus dem Jahr 1929 unterwegs sind.
Romantik in Ferrara, Zieleinlauf in San Lazzaro.
Kurz vor dem Etappenziel durften sich Fahrer und Zuschauer auf ein Highlight freuen: Der Konvoi durchquerte die Altstadt von Ferrara, rollte am prachtvollen Corso Ercole I d’Este vorbei und versammelte sich im Licht der Abendsonne rund um das Castello Estense. Auf der Piazza Trento e Trieste fand die Zeitkontrolle statt – ein letztes Innehalten vor dem Endspurt.
Gegen 21:15 Uhr erreichten die Fahrzeuge schließlich das Etappenziel in San Lazzaro di Savena bei Bologna. Die Stadt empfing die Teilnehmer auf der Piazza Luciano Bracci mit tosendem Applaus – ein würdiger Abschluss für einen ersten Tag voller Eleganz, Herausforderung und purer Leidenschaft für den historischen Motorsport.
Noch liegen mehrere Hundert Kilometer, zahlreiche Prüfungen und eindrucksvolle Städte vor den Teams. Die „Freccia Rossa“, wie sie liebevoll genannt wird, ist nicht nur ein Rennen, sondern auch ein rollendes Museum und eine Reise durch die Geschichte des Automobils und die Schönheit Italiens.
Und wer weiß? Vielleicht schreiben Vesco und Salvinelli wieder einmal Geschichte. Doch bis dahin bleibt eines sicher: Die Mille Miglia ist und bleibt ein Mythos – und wir sind mittendrin.
Karte: Ferrara
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