Verunreinigter Diesel hat im Nordosten Italiens bei mehr als 20 Fahrzeugen Motorschäden verursacht. Betroffen sind die Provinzen Belluno, Treviso, Venedig und Udine. Die Guardia di Finanza ermittelt und hat am 22. Juli erste Kraftstoffproben an Tankstellen entnommen. Die Reparaturen kosten nach Angaben der Verbraucherorganisation Adiconsum meist 3.000 bis 4.000 Euro, im höchsten dokumentierten Fall 4.500 Euro.
Wie viele Fälle sind bekannt?
Adiconsum Treviso-Belluno dokumentierte die ersten Fälle am 10. Juli: fünf Autofahrer, vier davon in der Provinz Belluno, einer in der Provinz Treviso. Danach stieg die Zahl der Meldungen innerhalb von zwei Wochen auf mehr als das Vierfache.
| Datum | Gemeldete Fälle |
|---|---|
| 10. Juli 2026 | 5 |
| 14. Juli 2026 | über 12 |
| 19. Juli 2026 | 17 |
| 20. Juli 2026 | 20 |
| 22. Juli 2026 | 22 |
Adiconsum-Präsident Stefano Bellotto erklärte am 21. Juli, die Zahl der Fälle werde in den kommenden Tagen weiter steigen.
Welche Orte und Tankstellen sind betroffen?
Die gemeldeten Tankvorgänge verteilen sich über vier Provinzen. Adiconsum nennt Tankstellen in Belluno, Trichiana und Segusino, in Mestre am Terraglio sowie in Sappada in der Provinz Udine. Die Zeitung Il Giornale berichtete zusätzlich von einer Meldung aus dem Val di Fassa im Trentino. Bei Segusino blieb ein Auto mitten in einem Tunnel stehen.
Betroffen sind Tankstellen internationaler Mineralölkonzerne, unabhängige Anbieter und sogenannte weiße Pumpen gleichermaßen. Von Fällen an der venezianischen Adriaküste ist bislang nichts bekannt.
Was ermitteln die Behörden?
Die Guardia di Finanza hat ein Ermittlungsverfahren eröffnet und die Unterlagen zu den Adiconsum-Meldungen eingeholt. Am 22. Juli entnahmen die Beamten an den betroffenen Tankstellen Kraftstoffproben. Die Auswertung übernimmt die Zollagentur Agenzia delle Dogane e dei Monopoli. Die Ergebnisse wurden für rund zehn Tage nach der Probenahme angekündigt, also für Anfang August. Bis dahin ist offen, ob eine Manipulation oder ein technischer Mangel vorliegt.
Die Finanzpolizei kontrolliert italienische Tankstellen regelmäßig, allerdings meist mit Blick auf Preisauszeichnung und Meldepflichten. Prüfungen der Kraftstoffqualität sind seltener.
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Woher kommt die Verunreinigung?
Werkstätten fanden Wasser und Fremdstoffe in den Kraftstofffiltern. In mehreren Fällen beschrieben Mechaniker schleimige Rückstände, die in italienischen Berichten als „Algen“ bezeichnet werden. Dahinter steht mikrobieller Befall, der sich in Dieseltanks an der Grenzschicht zwischen Wasser und Kraftstoff bildet. Beschädigt wurden Kraftstofffilter, Hochdruckpumpen und Injektoren.
Adiconsum verortet die Ursache nicht bei den einzelnen Tankstellen. Bellotto sagte, das Problem sei keine einzelne Tankstelle, sondern eine verbreitete Kritikalität über vier Provinzen hinweg; die Verunreinigung stamme vermutlich aus der Logistikkette oder aus Lagerdepots. Aus der Branche kam Widerspruch. Bruno Bearzi, nationaler Präsident des Tankstellenbetreiberverbands Figisc und selbst aus Udine, sagte am 19. Juli, ihm lägen keine Meldungen vor; die Schuld liege nicht bei den Betreibern, und wer das Produkt liefere, habe kein Interesse daran, es zu strecken. Moreno Parin, Koordinator der Betreiber im Raum Treviso, erklärte am 23. Juli ebenfalls, bei den Tankstellen seien keine Beschwerden eingegangen.
Was Betroffene tun sollten
Adiconsum empfiehlt Autofahrern mit Motorschaden nach dem Tanken fünf Schritte:
- Tankbeleg sichern – Kassenzettel oder Kartenabrechnung mit Datum, Uhrzeit und Tankstelle,
- Diagnose schriftlich einholen – die Werkstatt muss die Kraftstoffverunreinigung als Ursache benennen,
- Kostenvoranschlag und Rechnung aufbewahren,
- Kraftstoffprobe entnehmen lassen, soweit technisch möglich,
- Anspruch anmelden – zunächst beim Tankstellenbetreiber; auch eine Vollkaskoversicherung kann den Schaden abdecken.
Adiconsum bietet in Treviso und Belluno juristische Unterstützung für die Mahnschreiben an die Betreiber an. Für die Tankstellenbetreiber selbst wurde nach Angaben der Tribuna di Treviso die erste Versicherungsakte eröffnet. Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, findet die wichtigsten Regeln im Überblick unter Autofahren in Italien.
Getrennter Fall in der Toskana
Am 21. Juli beschlagnahmten die Guardia di Finanza Siena und die Zollagentur in einem Küstendepot in der Provinz Livorno über 23 Millionen Liter Diesel, weil der Wassergehalt über dem zulässigen Grenzwert lag. Die Vorwürfe lauten Handelsbetrug und Hinterziehung von Verbrauchsteuern. Ausgangspunkt waren Kontrollen im Mai in zwei Mineralöllagern und an einer Straßentankstelle in der Provinz Siena, bei denen 105.000 Liter beanstandet wurden. Eine Verbindung zu den Fällen in Venetien und Friaul haben die Behörden bislang nicht hergestellt.
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