Erdstoß der Stärke 4,1 erschüttert das Molise
Das Epizentrum lag bei Pizzone in der Provinz Isernia – Schäden wurden nicht gemeldet, viele Menschen blieben trotzdem draußen
Isernia – Kurz nach Mitternacht hat ein Erdbeben der Magnitude 4,1 das Molise erschüttert. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie verortete das Epizentrum zwei Kilometer westlich der Gemeinde Pizzone in der Provinz Isernia, in einer Tiefe von zehn Kilometern. Der Stoß war weit über die Region hinaus zu spüren: in weiten Teilen der Abruzzen, in der Provinz Frosinone in Latium und bis in die Provinz Caserta in Kampanien.
Verletzte oder Sachschäden wurden nach ersten Kontrollen nicht gemeldet. Der Bürgermeister von Pizzone erklärte am frühen Morgen, eine erste Bestandsaufnahme habe weder an Gebäuden noch an Personen Schäden ergeben. Dennoch verließen zahlreiche Menschen in den betroffenen Ortschaften ihre Wohnungen und blieben bis tief in die Nacht auf Plätzen und in Parks. Gegen 3.41 Uhr registrierten die Messstationen ein Nachbeben der Stärke 2,2 in neun Kilometern Tiefe.
Ein Beben dieser Größenordnung richtet in einer Tiefe von zehn Kilometern in aller Regel keine Schäden an, es ist aber über ein weites Gebiet deutlich wahrnehmbar. Dass die Bevölkerung im Molise dennoch so schnell auf die Straße geht, hat einen Grund, der tief in der jüngeren Geschichte der Region verankert ist.
Am 31. Oktober 2002 erschütterte ein Beben der Magnitude 5,7 dieselbe Landschaft. In San Giuliano di Puglia stürzte die Grundschule ein, in der sich zu diesem Zeitpunkt 58 Kinder und zehn Erwachsene aufhielten. 27 Kinder und eine Lehrerin starben, insgesamt kamen 30 Menschen ums Leben. Später stellte sich heraus, dass das Gebäude ohne statische Berechnungen aufgestockt worden war und die kurz zuvor aktualisierte seismische Einstufung der Gemeinde unberücksichtigt geblieben war. Der Fall wurde zum Wendepunkt der italienischen Erdbebenbaunorm; 2010 bestätigte der Kassationshof die Verurteilung von fünf Verantwortlichen.
Auch danach blieb die Region seismisch aktiv. Im August 2018 erschütterte ein Beben der Stärke 5,2 mit Epizentrum bei Montecilfone die Provinz Campobasso, gefolgt von mehr als hundert Nachbeben innerhalb weniger Tage. Zuletzt hatte die Provinz Isernia im Januar zwei schwache Erschütterungen der Stärke 2,5 verzeichnet.
Das Molise liegt im zentralen Apennin, wo sich mehrere aktive Störungszonen überlagern. Der Zivilschutz beobachtet die Entwicklung; für Reisende in der Region gibt es keine Einschränkungen.




















