Rom – Roberto Vannacci, Chef der neugegründeten Partei Futuro Nazionale, hat bei der Gründungsversammlung in Roms Auditorium della Conciliazione eine klare Position bezogen: Den Begriff Femizid als eigenständige Kategorie lehnt er ab. Ein Verbrechen werde nicht schwerer oder leichter, je nachdem welches Geschlecht, welche Hautfarbe oder welche Religion Täter oder Opfer hätten. Das sei, so Vannacci, wahre Gleichheit. Frauen und Männer seien gleich und bedürften keines besonderen Schutzes voreinander.
Mit dieser Haltung stieß der Ex-General auf scharfen Widerspruch. Flamur Sula, Vater der 22-jährigen Ilaria, die von ihrem Ex-Freund getötet und in einem Koffer in der Nähe der Gemeinde Poli bei Rom gefunden wurde, reagierte mit einem klaren Appell: Femizid und Mord seien zwei sehr verschiedene Dinge. Die Gesetze müssten hart sein für alle, die Frauen Schaden zufügten. Wer es selbst nicht erlebt habe, könne nicht wissen, was es bedeute. Er und seine Frau besuchten jede Woche den Fundort der Leiche ihrer Tochter, hätten dort eine Gedenktafel errichtet und weinten dort stundenlang. Der Schmerz werde mit der Zeit nicht weniger, sondern mehr.
Politischer Widerspruch aus den eigenen Reihen
Auch Giulia Bongiorno, Vorsitzende der Justizkommission im Senat und der Lega zugehörig, widersprach Vannacci. Der springende Punkt sei nicht, ob der Tod einer Frau mehr wiege als der eines Mannes. Es gehe um die besondere Schwere des Tatmotivs – Hass oder Verachtung gegenüber Frauen, die als minderwertig betrachtet würden. Bongiorno fügte hinzu, sie hoffe, dass Vannacci keine Nostalgie für jenen Straftatbestand hege, der bis 1981 Milderungsgründe für sogenannte Ehrenmorde vorsah.
Elisa Ercoli von der Organisation Differenza Donna wertete Vannaccis Aussagen als Versuch, die von der Frauenbewegung aufgedeckte männliche Gewalt gegen Frauen zu leugnen und zu verharmlosen. Die Schwere seiner Äußerungen stehe jener gleich, die Opfer der Mafia leugneten.
Auf der Versammlung stellte Vannacci auch weitere Programmpunkte vor: eine Arbeitszulassung ab 14 Jahren auf freiwilliger Basis, den Vorrang öffentlicher Schulen sowie eine Politik der sogenannten Remigration.




















