Streit um eine einjährige Tochter – und eine Yacht vor Porto Cervo
Gegen den Sohn des Luxottica-Gründers wird in Mailand ermittelt, er weist die Vorwürfe zurück
Mailand – Gegen Leonardo Maria Del Vecchio, Sohn des 2022 verstorbenen Luxottica-Gründers, laufen Ermittlungen wegen Kindesentziehung. Angezeigt hat ihn seine frühere Lebensgefährtin, das Model Sara Soldati; die Staatsanwaltschaft Mailand hat das Verfahren übernommen. Für den Unternehmer gilt die Unschuldsvermutung, er bestreitet die Vorwürfe vollständig.
Im Zentrum steht die gemeinsame Tochter Bianca, die Anfang Juli ein Jahr alt geworden ist. Nach Darstellung der Mutter nahm der Vater das Kind im Anschluss an die Geburtstagsfeier in Monaco ohne ihre Zustimmung mit und behielt es rund zwei Wochen bei sich, unter anderem an Bord seiner Yacht vor Porto Cervo auf Sardinien. Als sie dorthin gereist sei, habe sie ihre Tochter nur wenige Minuten und im Beisein von etwa zwanzig weiteren Personen sehen können. Neben der Anzeige wegen Kindesentziehung erstattete sie eine zweite wegen Nötigung, eingereicht bei den Carabinieri in Porto Cervo und in Mailand.
Die Gegenseite widerspricht in allen Punkten. Del Vecchios Anwälte erklären, sämtliche Absprachen seien eingehalten worden; die Mutter sei eingeladen worden, entweder an Bord zu bleiben oder das Kind mitzunehmen, habe beides aber abgelehnt. Zwischen beiden Elternteilen existiert eine private schriftliche Vereinbarung über die Betreuung. Die Rechtsvertreter der Mutter halten diese Vereinbarung für unter fragwürdigen Umständen zustande gekommen und wollen sie anfechten, um regelmäßigen Kontakt zur Tochter durchzusetzen.
Ein Name, der in Italien Gewicht hat
Leonardo Del Vecchio senior gründete 1961 in Agordo die Brillenfabrik Luxottica, die über die Fusion mit dem französischen Konzern Essilor zum weltgrößten Anbieter der Branche wurde. Das Vermögen liegt in der Familienholding Delfin, an der mehrere Kinder aus verschiedenen Beziehungen beteiligt sind. Leonardo Maria hat sein eigenes Erbe in einer Investmentgesellschaft gebündelt, deren geschäftsführender Präsident er seit Ende Juni ist; die operative Führung übernahm zeitgleich ein neuer Vorstandschef.
In Italien sorgt der Name Del Vecchio seit Jahren regelmäßig für Schlagzeilen, meist wegen der Auseinandersetzungen um Erbe und Konzernbeteiligungen. Der aktuelle Fall hat damit nichts zu tun: Es geht um eine familienrechtliche Auseinandersetzung, die nun strafrechtliche Züge angenommen hat. Wie lange die Ermittlungen dauern und ob es überhaupt zu einer Anklage kommt, ist offen.




















