ROM – Für die Italiener ist er mehr als nur ein Getränk: Der schnelle Espresso am Tresen ist ein tägliches Ritual, eine kleine Auszeit und ein Stück Lebenskultur. Doch diese liebgewonnene Gewohnheit wird zunehmend zu einem kostspieligen Vergnügen. Pünktlich zum Internationalen Tag des Kaffees am 1. Oktober zeichnet eine Studie des Forschungszentrums CRC in Zusammenarbeit mit der Verbraucherorganisation Assoutenti ein bitteres Bild. Der Preis für eine Tasse Kaffee ist in den letzten vier Jahren um 20,6 % in die Höhe geschnellt. Kostete der Espresso 2021 im landesweiten Durchschnitt noch 1,04 Euro, so waren es im August 2025 bereits 1,25 Euro.
Von Bozen bis Catanzaro: Die Preiskluft in Italien
Die Preisentwicklung zeigt in Italien deutliche regionale Unterschiede. Am tiefsten müssen Kaffeeliebhaber in Bozen in die Tasche greifen, wo eine Tasse durchschnittlich 1,47 Euro kostet. Dicht dahinter folgen Ferrara (1,43 Euro), Padua (1,41 Euro) und Belluno (1,40 Euro). In insgesamt 17 Provinzen hat der Preis für den kleinen Schwarzen bereits die Schwelle von 1,30 Euro überschritten. Das andere Extrem bildet Catanzaro in Kalabrien, das als einzige große Stadt noch den Espresso für genau einen Euro anbietet. Günstig bleibt es auch in Reggio Calabria und Messina mit jeweils 1,06 Euro.
Ein teures Ritual mit Folgen für die Zukunft
Besonders drastisch fielen die Preissteigerungen in den letzten vier Jahren in Bari, Parma und Pescara aus, wo der Kaffeepreis um fast 40 % anstieg. Selbst in Neapel, der von vielen als Welthauptstadt des Kaffees angesehenen Metropole, kletterte der Preis um 35 % auf durchschnittlich 1,21 Euro. Bei rund sechs Milliarden Tassen Kaffee, die jährlich in italienischen Bars konsumiert werden, schlägt sich dies auch in den Gesamtausgaben nieder: Diese stiegen bei gleichem Konsum von 6,2 Milliarden Euro (2021) auf 7,5 Milliarden Euro (2025). Gabriele Melluso, Präsident von Assoutenti, warnt: „Die Tasse in der Bar nähert sich schnell der 1,50-Euro-Marke. Ein Espresso für 2 Euro in den kommenden Jahren ist keine Science-Fiction mehr.“ Diese Aussicht könnte die Gewohnheiten der Italiener nachhaltig verändern und eine Rückkehr zur heimischen Moka-Kanne einläuten.




















