Rom – Italien galt über Jahrzehnte als das Land der fleißigen Sparer, in dem das private Nettovermögen der Haushalte als wichtigstes Bollwerk gegen wirtschaftliche Krisen fungierte. Doch dieses Bild bröckelt massiv. Aktuelle Daten der Fiba-Stiftung (First Cisl), basierend auf Zahlen der Europäischen Zentralbank, zeichnen ein ernüchterndes Bild: In realen Werten ist das Vermögen der Italiener heute um etwa zwei Prozent geringer als noch im Jahr 2012. Während die italienischen Vermögen nominal lediglich um rund 20 Prozent zulegten, verzeichnete Frankreich ein Plus von 45 Prozent und Deutschland sogar einen Zuwachs von über 100 Prozent.
Der schleichende Abstieg des einstigen Sparweltmeisters
Dieser relative Abstieg lässt sich auch an den Pro-Kopf-Zahlen festmachen. Bis vor wenigen Jahren verfügte eine italienische Durchschnittsfamilie noch über ein größeres Polster als ihre Nachbarn im Norden. Bis Mitte 2025 hat sich das Blatt jedoch gewendet. Mit einem durchschnittlichen Nettovermögen von 438.700 Euro liegt Italien nun hinter Frankreich (442.200 Euro) und deutlich hinter Deutschland zurück, wo das Familienvermögen im Schnitt 461.600 Euro erreicht. Auch der Anteil Italiens am Gesamtvermögen der Eurozone ist seit 2012 von fast 23 Prozent auf rund 16,6 Prozent zusammengeschrumpft.
Besonders besorgniserregend ist der Rückgang der Sparquote. Lag Italien traditionell an der Spitze, so sank die Bruttosparquote bis Juni 2025 auf 12,3 Prozent. Zum Vergleich: In der gesamten Eurozone liegt dieser Wert im Schnitt bei über 15 Prozent, in Deutschland sogar bei über 19 Prozent. Dieser Trend schwächt nicht nur die individuelle Absicherung, sondern entzieht auch dem Binnenmarkt die notwendige Liquidität.
Ungleichheit auf Rekordniveau belastet den Konsum
Hinter den Durchschnittswerten verbirgt sich eine immer tiefer klaffende soziale Schere. Die obersten zehn Prozent der Bevölkerung kontrollieren inzwischen fast 60 Prozent des gesamten nationalen Reichtums. Besonders alarmierend: Die reichsten fünf Prozent halten allein knapp die Hälfte des Gesamtvermögens in ihren Händen. Am anderen Ende der Skala müssen sich 50 Prozent der Italiener mit einem Anteil von lediglich 7,4 Prozent am Gesamtvermögen begnügen.
Diese extreme Konzentration führt dazu, dass weite Teile der Bevölkerung kaum noch über finanziellen Spielraum verfügen. Verbraucherschutzorganisationen wie Codacons warnen bereits vor einem Einbruch des winterlichen Saisongeschäfts, da die Kaufkraft durch stagnierende Reallöhne und schwindende Rücklagen ausgehöhlt wird. Um diesen Negativtrend zu stoppen, fordert die First Cisl innovative Ansätze: Die Einbindung von Arbeitnehmern in die Unternehmensführung sowie gezielte Investitionen, um das ruhende Privatvermögen wieder in die Realwirtschaft zu lenken, seien essenziell für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Landes.




















