Ein Feldherr, ein Pergament, ein gefälschter Präsident
Roberto Vannacci setzt seine Serie KI-erzeugter Clips fort – diesmal mit einer inszenierten Begnadigung
Rom – Der Europaabgeordnete Roberto Vannacci hat am Samstag ein weiteres mit künstlicher Intelligenz erzeugtes Video veröffentlicht, und diesmal trifft es das höchste Staatsamt. Der frühere General tritt darin als römischer Feldherr auf und überreicht einer thronenden Figur, die Staatspräsident Sergio Mattarella nachempfunden ist, eine Pergamentrolle. Auf dem Dokument leuchtet das Wort „Gratia“ auf, die Kamera schwenkt auf eine Justitia mit Waage, dann öffnen sich Gefängnistore: Der Juwelier Mario Roggero fällt seiner Familie in die Arme. Dazu die Bildunterschrift „Begnadigung für Roggero. Amen.“ und ein Link zu einer Online-Petition.
Es ist bereits das zweite spektakuläre KI-Video binnen weniger Tage. Am 20. Juli hatte Vannacci sich als Kaiser in einer Arena inszeniert und dort die symbolische Hinrichtung politischer Gegner angeordnet – von der Vorsitzenden des Partito Democratico über den Chef der Fünf-Sterne-Bewegung bis zu Romano Prodi. Kritiker aus mehreren Parteien nannten das einen Einschüchterungsversuch und eine Verrohung der politischen Auseinandersetzung; ein Abgeordneter der Grünen prüft eine Strafanzeige wegen Drohung. Vannacci gehört der Lega seit Februar nicht mehr an: Nach wachsenden Spannungen mit Matteo Salvini gründete er eine eigene Partei und positioniert sich seither noch weiter rechts. Eine Stellungnahme des Quirinalspalasts zu dem neuen Clip lag am Sonntag nicht vor.
Der Fall hinter der Inszenierung
Mario Roggero betrieb ein Juweliergeschäft in Grinzane Cavour in der Provinz Cuneo. Im April 2021 überfielen ihn drei bewaffnete Räuber. Nach deren Flucht griff er zur Waffe, verfolgte sie und eröffnete das Feuer: Zwei Männer starben, ein dritter wurde schwer verletzt. Das Schwurgericht Asti verurteilte ihn Ende 2023 zu siebzehn Jahren Haft, das Berufungsgericht Turin reduzierte die Strafe auf vierzehn Jahre und neun Monate. Mit der Zurückweisung der Revision durch den Kassationsgerichtshof wurde das Urteil im Juli rechtskräftig, seither sitzt der Juwelier im Gefängnis. Ein Turiner Gericht hat vor wenigen Tagen einen Antrag auf Haftentlassung abgelehnt.
Der Fall ist in Italien längst zum Symbol der Debatte über die Grenzen der Notwehr geworden. Mehrere Politiker, unter ihnen Salvini, haben öffentlich an den Staatspräsidenten appelliert, Roggero zu begnadigen. Der Juwelier selbst sagte zuletzt, er fürchte um seine Familie und hoffe, dass sein Fall geprüft werde. Über Gnadengesuche entscheidet in Italien allein der Staatspräsident – auf Vorschlag des Justizministers und ohne öffentliche Begründung.




















