Mailand – Die norditalienische Metropole ist gespalten und bereitet sich auf ein Wochenende mit hohem Eskalationspotenzial vor. Am Samstag findet dort der von der Regierungspartei Lega und den „Patrioten für Europa“ organisierte „Remigration Summit“ statt. Gleichzeitig formieren sich drei Protestzüge, die gegen die Initiative auf die Straße gehen.
Ziel des Komitees „Remigrazione e Riconquista“ sei es laut eigener Webseite, eine unkontrollierte Einwanderung zu stoppen. Lega-Chef Matteo Salvini wies Vorwürfe von Rassismus und Islamophobie als „Hysterie der Linken“ zurück und betonte, man demonstriere friedlich für ein anderes Europa. Zu den erwarteten Gästen zählen unter anderem der Niederländer Geert Wilders (Partij voor de Vrijheid), der Franzose Jordan Bardella (Rassemblement National) und die Griechin Afroditi Latinopoulou (Foní Logikís). Bereits im Vorfeld sorgte die Lega-Abgeordnete und ehemalige Richterin Simonetta Matone für Aufsehen: Sie erklärte, sie würde Friedensfahnen verbrennen, da diese von gewaltbereiten Demonstranten oft nur als Vorwand für Angriffe auf Sicherheitskräfte genutzt würden.
Kontroverse um die Route und Gegenproteste
Besonderer Zündstoff liegt in der genehmigten Route für den Lega-Gipfel. Diese führt von der Porta Venezia zur Piazza Duomo – exakt jene Strecke, die traditionell am 25. April zur Feier der Befreiung Italiens vom Faschismus genutzt wird. Für die Organisatoren der Gegenproteste ist dies ein Affront gegen die historische Widerstandsstadt. Selam Tesfai vom Sozialzentrum „Il Cantiere“ erklärte, das gemeinsame Ziel der verschiedenen Protestgruppen sei es, Mailand vor einer aggressiven Präsenz von Akteuren der extremen Rechten zu schützen.
Drei Züge, ein gemeinsames Zielgebiet
Insgesamt drei Gegendemonstrationen sind angekündigt. Um 14 Uhr versammeln sich Aktivisten auf der Piazza Lima unter dem Motto „Mailand ist migrantisch“, während zeitgleich auf der Piazza Tricolore weitere Gruppen gegen Rassismus und Faschismus protestieren. Bereits um 13.30 Uhr startet eine Kundgebung palästinensischer Initiativen auf der Piazza Argentina. Die drei Züge sollen später an der Piazza Santo Stefano zusammenfließen, um eine direkte Annäherung an den Domplatz zu vermeiden.
Zusätzlich ist für 10 Uhr eine Demonstration für die Rechte der zweiten Einwanderergeneration geplant, initiiert vom Mailänder Forza-Italia-Verantwortlichen für Einwanderung, Amir Atrous. Von dieser Aktion hat sich die Parteispitze jedoch mittlerweile distanziert.




















