Grillo wirft seiner eigenen Bewegung den Verlust der Identität vor
Der Angriff fällt auf den Tag der ersten Anhörung im Streit um Name und Symbol des M5S
Rom – Beppe Grillo hat sich mit scharfer Kritik an der von ihm mitgegründeten Fünf-Sterne-Bewegung zurückgemeldet. In einem langen Blogbeitrag hält er der Partei vor, sie habe die Politik verändern sollen – stattdessen habe die Politik sie verändert. Der Movimento 5 Stelle habe seine Identität eingebüßt und vor allem jene Andersartigkeit verloren, die ihn einst einzigartig gemacht habe.
Der Text kommt ohne Namen aus, trifft aber erkennbar die Führung um Giuseppe Conte. Grillo beklagt, die Spitze orientiere sich an Umfragen statt an den Bürgern und beschäftige sich mehr mit Posten als mit der Zukunft. Kernanliegen der Anfangsjahre – Grundeinkommen, Begrenzung der Mandate, direkte Demokratie – seien zu Parolen für Parteitage verkommen. Von einer anthropologischen Verwandlung der Protagonisten ist die Rede: Wie Revolutionäre, die irgendwann die Paläste entdecken, hätten sie den Kopf verloren.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am selben Tag begann in Rom vor dem Zivilgericht die erste Anhörung in dem Verfahren, mit dem Grillo Name und Symbol der Bewegung zurückfordert. Seine ursprüngliche Vereinigung mit Sitz in Genua beansprucht das ausschließliche Eigentum; die von Conte geführte römische Struktur habe lediglich ein Nutzungsrecht. Aus deren Umfeld wurde der juristische Vorstoß als absurd und rücksichtslos zurückgewiesen.
Der Bruch reicht bis in den Herbst 2024 zurück. Bei der sogenannten Costituente stimmte die Basis mit rund 62 Prozent dafür, die seit 2017 von Grillo besetzte Rolle des Garanten abzuschaffen und die Begrenzung auf zwei Mandate zu lockern. Grillo focht das Ergebnis an und verlangte eine Wiederholung – und verlor auch die zweite Abstimmung. Seither ist sein Einfluss auf die Bewegung faktisch erloschen.
Inhaltlich zielt die Attacke auf den Kurs, den Conte seit 2021 verfolgt: die Annäherung an das Mitte-links-Lager rund um die Demokratische Partei. In den jüngsten Erhebungen liegt der M5S bei rund 12,5 Prozent und damit als drittstärkste Kraft klar hinter Fratelli d’Italia und dem Partito Democratico. Zusätzliche Unruhe stiftet, dass sich die frühere Rom-Bürgermeisterin Virginia Raggi wieder stärker zu Wort meldet und Alessandro Di Battista über seine Vereinigung an einer politischen Rückkehr im Herbst arbeitet.




















