Der Fall Fonbet: Pirlos Weg auf die Azzurri-Bank stockt
Der Werbevertrag mit Russlands größtem Wettanbieter bringt den Verband in Erklärungsnot – die Unterschrift lässt auf sich warten
Rom – Eigentlich war alles beisammen: Vertrag bis 2030, ein Jahresgehalt von rund 1,5 Millionen Euro plus Bonuszahlungen für die Qualifikation zu Europa- und Weltmeisterschaft, sogar der Trainerstab stand fest. Doch die Verpflichtung von Andrea Pirlo als neuem Trainer der italienischen Nationalmannschaft, die wir am Freitag gemeldet hatten, ist auch am Sonntag noch nicht unterzeichnet. Grund ist ein Werbevertrag, der in Rom für erhebliche Unruhe sorgt.
Pirlo tritt seit rund einem Jahr als globaler Botschafter für Fonbet auf, den größten Wettanbieter Russlands. Zustande gekommen ist die Verbindung über den russischen Unternehmer Sergej Lomakin, Präsident jenes Klubs in Dubai, den der Weltmeister von 2006 derzeit trainiert. Ende Mai reiste Pirlo gemeinsam mit Marco Materazzi zu einer vom Sponsor organisierten Veranstaltung ins Moskauer Luschniki-Stadion und posierte dort unter anderem mit dem russischen Nationalspieler Artjom Dsjuba. Der Termin fiel auf einen Tag, an dem russische Drohnen und Raketen Kiew massiv angriffen – ein Zusammentreffen, das in Italien besonders übel aufgenommen wurde.
Politischer Gegenwind von links wie rechts
Die Kritik reicht quer durch das Parteienspektrum. Aus der Opposition heißt es, wer nach 2022 für russische Marken werbe, habe auf einer Nationalmannschaftsbank nichts verloren; eine Vizepräsidentin des Europaparlaments wirft dem Trainer vor, das Regime in Moskau zu normalisieren. Auch Senatspräsident Ignazio La Russa aus dem Regierungslager äußerte Zweifel und nannte die Personalie einen Sprung ins Ungewisse. Pirlos Anwälte halten dagegen: Der Vertrag mit dem Wettunternehmen sei jederzeit und ohne Vertragsstrafe kündbar, ebenso das Engagement in Dubai. Rückendeckung erhält der 47-Jährige aus dem Fußball selbst – Nationalspieler Giovanni Di Lorenzo bat öffentlich darum, den Verantwortlichen zu vertrauen.
Verbandspräsident Giovanni Malagò steht damit vor einer heiklen Vermittlung. Er hatte ursprünglich Roberto Mancini favorisiert, während der seit Juli amtierende Technische Direktor Paolo Maldini auf Pirlo setzt – auch, weil dessen ballbesitzorientierte Spielidee zur geplanten Neuausrichtung passt und das Gehalt deutlich unter dem anderer Kandidaten liegt.
Entscheidung wohl am Dienstag
Der Posten ist frei, seit Gennaro Gattuso Anfang April nach dem verpassten Einzug in die Weltmeisterschaft zurückgetreten war. Danach verhandelte der Verband lange mit Pep Guardiola, der vergangene Woche endgültig absagte. Als Alternativen kursieren neben Mancini die Namen Antonio Conte, Thiago Motta und Stefano Pioli. Die offizielle Entscheidung wird für die Sitzung des Verbandsrats am kommenden Dienstag erwartet.




















