Das Gericht erklärt den Brescia Calcio für insolvent
Rund 20 Millionen Euro Schulden besiegeln den Absturz eines Traditionsklubs
Brescia – Für einen der ältesten Fußballvereine Italiens ist es das juristische Ende einer langen Talfahrt. Das Gericht der lombardischen Stadt hat über den Brescia Calcio die Zwangsliquidation verhängt und damit die Zahlungsunfähigkeit des Klubs festgestellt. In der Begründung ist von einem offenkundigen Insolvenzzustand die Rede; ein spät eingereichter Sanierungsantrag wurde als aussichtslos verworfen. Aufgelaufen sind Schulden von rund zwanzig Millionen Euro.
Präsident des Vereins war seit 2017 der Unternehmer Massimo Cellino, der die Entscheidung ausgerechnet an seinem 70. Geburtstag entgegennehmen musste. Er kündigte umgehend Berufung an und sprach von einem schweren Auslegungsfehler; er hoffe, die Entscheidung sei noch umkehrbar. Sein Anwalt nannte den Schritt unvermeidlich.
Der sportliche Absturz war dem juristischen bereits vorausgegangen. Nach einem Punktabzug wurde Brescia aus der Serie B in die drittklassige Serie C zwangsversetzt und anschließend für die neue Saison gar nicht erst zugelassen, weil offene Verbindlichkeiten gegenüber der Liga und unbezahlte Gehälter nicht beglichen worden waren. Damit fiel der Klub, der noch vor wenigen Jahren in der Serie A spielte, erstmals seit über einem Jahrhundert komplett aus dem Profifußball heraus. Ein Neustart wäre allenfalls ganz unten in der Amateurklasse möglich.
Um die Fußballtradition der Stadt zu retten, war zuvor ein neuer Verein gegründet worden, der Brescia sportlich bereits vertritt. Für den alten Klub aber ist der Weg zu Ende. In die Konkursmasse fließen nun auch Millionen aus einem Solidaritätsbeitrag, der Brescia für den früheren Nachwuchsspieler Sandro Tonali zugestanden hätte, heute jedoch den bevorrechtigten Gläubigern zugutekommt – unter ihnen Spieler und Angestellte, die auf ausstehende Zahlungen warten.
Zum Insolvenzverwalter wurde ein Wirtschaftsfachmann bestellt; Gläubiger können ihre Forderungen bis in den November anmelden. Für die Anhänger, die ihren Verein über Jahrzehnte durch alle Höhen und Tiefen begleitet haben, bleibt vor allem die bittere Gewissheit, dass ein Stück Fußballgeschichte an diesem Tag zu Ende gegangen ist – und dass ein Wiederaufbau, wenn überhaupt, nur in sehr kleinen Schritten denkbar ist.




















