Milano Marittima – Die Buchung schien perfekt: eine freundliche Frau am Telefon, ein Kostenvoranschlag, eine Anzahlung von 170 Euro per Postepay. Was eine Mailänder Urlauberin für eine Ferienunterkunft hielt, war in Wirklichkeit nichts weiter als eine Erfindung. Das sogenannte Residence Ferrino existiert nicht. Jetzt, wie die Zeitung Il Resto del Carlino berichtet, steht eine mutmaßliche Betrügerbande aus Mutter und Sohn im Fokus der Ermittlungen.
Dreist am Telefon: „Die Zwanzigste diese Woche“
Als die Frau Anfang August Verdacht schöpfte und erneut anrief, ließ die Gegenseite jede Verstellung fallen. Der Sohn habe ihr am Telefon erklärt, sie sei die zwanzigste Betrogene dieser Woche. Das Geld sei bereits in Litauen. Statt Empörung kam Ironie: Die Romagnoli sind gastfreundlich, soll er noch hinzugefügt haben. Die Frau hatte die Reise gemeinsam mit ihren drei Kindern geplant und musste kurzfristig alles absagen und neu organisieren. Ihr Mitgefühl gelte vor allem jenen, die sich eine zweite Buchung schlicht nicht leisten könnten.
Hundert Familien in Cesenatico betroffen
Als die Frau die Carabinieri kontaktierte, habe man ihr mitgeteilt, der Fall sei bereits bekannt. Die mutmaßlichen Täter seien bereits identifiziert. Im Austausch mit weiteren Geschädigten erfuhr sie zusätzliche Details: Die Telefonnummern wechselten ständig, Anrufe wurden umgeleitet, um die Herkunft zu verschleiern. Sogar Strandbäder sollen Stornierungen oder Anrufe von Urlaubern erhalten haben, die glaubten, tatsächlich gebucht zu haben. Die Webseite des Residence Ferrino ist inzwischen offline, die zugehörige WhatsApp-Nummer jedoch noch aktiv. IBAN, Konto und Gastgebername laufen auf den Eintrag Andrea Angelini – denselben Namen, der auch bei einem weiteren Geisterpension in Cesenatico verwendet worden sein soll. Dort sollen rund hundert Familien betroffen sein.




















