Staatsanwaltschaft durchleuchtet den Chatverkehr im Fall Ranucci
Die Fahnder prüfen, ob die Nachrichten zwischen Valter Lavitola und dem Rai-Journalisten einen zweiten Sinn tragen – neue Vernehmungen stehen bevor
Rom – Im Verfahren um den Sprengstoffanschlag auf den Rai-Journalisten Sigfrido Ranucci konzentriert sich die römische Staatsanwaltschaft auf den jahrelangen Nachrichtenaustausch zwischen dem Moderator der Investigativsendung „Report“ und dem Unternehmer Valter Lavitola. Die Ermittler lesen die Chats Wort für Wort und suchen nach Anspielungen, die sich erst im Rückblick erschließen. Parallel dazu bereiten sie neue Vernehmungen vor.
Im Zentrum stehen Computer und Mobiltelefon Lavitolas, die nach seiner Festnahme beschlagnahmt wurden. Aus dem Material haben die Fahnder Passagen herausgezogen, in denen es um Sicherheit, um politische Pläne und um ein gemeinsames Projekt geht. Lavitola umwarb den Journalisten offenbar über Monate hinweg für einen Wechsel in die Politik, bis hin zu einer Umfrage über dessen Aussichten. Ob Ranucci diese Avancen ernst nahm oder nur höflich reagierte, gilt als eine der Schlüsselfragen. Er soll im September erneut befragt werden.
Lavitola sitzt seit dem 10. August in der römischen Haftanstalt Rebibbia, kurz darauf bezeichnete er sich selbst als Auftraggeber der Tat. Der Ermittlungsrichter bestätigte anschließend die Voorlopige hechtenis und wies einen Antrag auf Hausarrest zurück. Sein Verteidiger Arturo Cola erklärte nach einem mehrstündigen Besuch in der Zelle, sein Mandant sei reuig und niedergeschlagen, weil er Ranucci in Schwierigkeiten gebracht habe. Die Idee zu der Aktion sei allein von ihm ausgegangen, gewollt gewesen seien lediglich einige Schüsse auf das Grundstück, um dem Journalisten endlich einen stärkeren Personenschutz zu verschaffen. Rund einen Monat vor dem Anschlag habe Lavitola den Journalisten zu Hause aufgesucht und vor der Gefahr eines Attentats gewarnt. Ranucci habe die Warnung nicht ernst genommen und sie später gegenüber den Ermittlern nicht erwähnt. In der kommenden Woche will die Verteidigung vor dem Haftprüfungsgericht ergänzende Erklärungen abgeben.
Zweifel an der Version vom missglückten Schutzversuch
Die Staatsanwaltschaft hält diese Darstellung für wenig überzeugend. Der Sprengsatz explodierte am 16. Oktober 2025 vor Ranuccis Haus in Pomezia südlich von Rom, beschädigte zwei geparkte Fahrzeuge und das Hoftor. Verletzt wurde niemand. Ein Besuch am Tatort wenige Wochen zuvor und ausgewertete Funkzellendaten sprechen aus Sicht der Ermittler gegen eine spontane Aktion. Das Motiv bleibt der wunde Punkt des Verfahrens: Warum ein Mann, der sich öffentlich als Freund des Journalisten bezeichnete, einen Anschlag in Auftrag gegeben haben soll, ist bislang nicht schlüssig erklärt.
Vier mutmaßliche Ausführende und ein Flüchtiger
Wegen der Tat sitzen außerdem vier Männer aus der Provinz Avellino in Haft, die als Ausführende gelten. Ihre Anwälte haben angekündigt, dass die Beschuldigten aussagen wollen. Ein weiterer Verdächtiger, Lavitolas kamerunischer Vertrauter Clesio Gomes Tavares, hält sich nach Erkenntnissen der Fahnder in Afrika versteckt, seine Auslieferung wird betrieben. Bei der Rai wiederum wird im September eine Entscheidung darüber erwartet, wie es mit Ranucci und „Report“ weitergeht.




















