Pisa – Ein Erdbeben der Stärke 4,3 hat am Dienstagvormittag die nördliche Toskana erschüttert. Der Stoß ereignete sich um 10.15 Uhr, das Epizentrum lag rund sieben Kilometer westlich von Pisa bei San Piero a Grado, die Herdtiefe betrug acht Kilometer. Spürbar war das Erdbeben in den Provinzen Pisa, Lucca, Massa-Carrara und Livorno und bis fast nach Florenz.
Verletzte gab es nicht. Beschädigt wurde ein einziges Gebäude im Umland, in dem drei Haushalte mit insgesamt fünf Personen lebten; sie kamen vorübergehend bei Verwandten und Freunden unter. Die Feuerwehr rückte zu rund 50 Einsätzen aus, meist wegen oberflächlicher Risse. Der Schiefe Turm und die übrigen Bauten auf der Piazza dei Miracoli blieben unversehrt und für Besucher geöffnet.
Regionalpräsident Eugenio Giani zeigte sich erleichtert. Das monumentale wie das gewöhnliche Bauerbe habe eine Festigkeit bewiesen, die hoffen lasse, sagte er bei einem Besuch in der Stadt. Zugleich mahnte er zur Vorsicht, weil die Erdstöße jederzeit wieder zunehmen könnten.
Bahnknoten gesperrt, Nachbeben bis in die Nacht
Praktische Folgen hatte das Erdbeben bei Pisa vor allem für Reisende. Ab 10.30 Uhr wurde der Bahnknoten für mehrere Stunden gesperrt, betroffen waren die Strecken nach Empoli, Livorno, Lucca und Viareggio. Im Regionalverkehr kam es zu erheblichen Verspätungen, einzelne Fernzüge fielen aus. Das Universitätsklinikum setzte planbare Eingriffe und ambulante Termine aus, ein Gebäude des Krankenhauses Santa Chiara blieb auch am Mittwoch für weitere Prüfungen geschlossen.
In der ersten Stunde folgten fünf Nachbeben unterhalb der Stärke 2,0, am frühen Nachmittag ein weiterer spürbarer Stoß der Stärke 3,2. Danach registrierten die Messnetze eine Reihe schwächerer Erschütterungen bis in die Nacht. Die Gegend gilt als gering bis mäßig erdbebengefährdet; die Gemeinde Pisa ist in die dritte von vier Zonen eingestuft, wobei Zone eins die höchste Gefährdung bezeichnet. Starke Beben sind hier historisch selten: Das schwerste bekannte Ereignis der Region traf im August 1846 Orciano Pisano und forderte damals mehrere Dutzend Todesopfer.




















