Rom – Im Anschlag auf den Enthüllungsjournalisten Sigfrido Ranucci hat die Ermittlung eine neue Wendung genommen: Die Staatsanwaltschaft führt den Unternehmer und früheren Verleger Valter Lavitola nun als Beschuldigten und sieht in ihm den mutmaßlichen Auftraggeber der Bombe, die vor dem Haus des Moderators explodiert war.
Der Sprengsatz war am 16. Oktober 2025 vor Ranuccis Wohnhaus detoniert. Die selbstgebaute Bombe zerstörte zwei geparkte Autos des Journalisten und beschädigte das Eingangstor; verletzt wurde niemand. Ranucci leitet beim öffentlich-rechtlichen Sender Rai die investigative Sendung „Report“, die immer wieder heikle Recherchen zu Politik und Wirtschaft veröffentlicht. Ermittler durchsuchten die Wohnung Lavitolas und stellten Mobiltelefon und Computer sicher.
Vier Festnahmen im Fall Ranucci
Bereits in der Vorwoche waren in den Provinzen Neapel und Avellino vier Personen festgenommen worden, die als mutmaßliche Ausführende gelten. Ihnen wird vorgeworfen, den Sprengsatz besessen, an einen öffentlichen Ort gebracht und gezündet sowie gedroht und Sachschaden angerichtet zu haben – erschwert durch das Handeln in einer Gruppe. Das Motiv des mutmaßlichen Auftraggebers ist bislang unklar.
Lavitola ist 60 Jahre alt und war jahrzehntelang als Journalist und Verleger tätig. 1996 gründete er die Zeitung „L’Avanti!“, 2004 kandidierte er bei der Europawahl für Forza Italia. In den frühen 2010er-Jahren geriet er mehrfach in Ermittlungen, unter anderem im Umfeld von Verfahren rund um den damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Der Fall Ranucci gilt als Prüfstein für den Schutz von Journalisten in Italien, die zu organisierter Kriminalität und Korruption recherchieren. Für Lavitola gilt die Unschuldsvermutung.




















