Konjunktur unter Druck: Italiens Wirtschaftswachstum verliert an Fahrt
Vier Hürden bremsen die Erholung – und eine Debatte darüber, ob höhere Staatsausgaben allein die Konjunktur tragen können
Rom – Die italienische Wirtschaft kommt nur noch schleppend voran. Das Bruttoinlandsprodukt, die Summe aller im Land erzeugten Waren und Dienstleistungen, verliert weiter an Schwung, und die Aussichten für das laufende Jahr fallen gedämpft aus. Internationale Institutionen wie die OECD rechnen für 2026 nur noch mit einem Zuwachs von rund einem halben Prozent – deutlich weniger, als noch vor Monaten erhofft.
Vier Faktoren bremsen die Erholung besonders. Da sind zum einen die internationalen Handelskonflikte: Neue Zölle und die Unsicherheit über künftige Handelsregeln lasten schwer auf Italiens exportorientierter Industrie. Hinzu kommen die hohen Energiepreise, die im Zuge der jüngsten Eskalation am Persischen Golf erneut angezogen haben und Betriebe wie Haushalte belasten. Drittens schwächelt die Industrieproduktion, das Rückgrat der norditalienischen Wirtschaft. Und schließlich dämpft die allgemeine globale Verunsicherung Investitionen und Konsum.
Vor diesem Hintergrund ist eine Debatte über den richtigen wirtschaftspolitischen Kurs entbrannt. Fachleute warnen davor, sich allein auf hohe öffentliche Ausgaben zu verlassen, um das Wachstum künstlich zu stützen. Zwar können staatliche Investitionen kurzfristig Impulse setzen, doch ohne höhere Produktivität, Reformen und private Investitionen bleibe der Effekt begrenzt und belaste am Ende nur die ohnehin hohe Staatsverschuldung.
Für die Regierung von Giorgia Meloni ist die Entwicklung heikel. Ein solides Wachstum ist die Voraussetzung dafür, die Vorgaben aus Brüssel einzuhalten und zugleich Spielraum für Steuersenkungen und Sozialausgaben zu schaffen. Auch der Aufbaufonds der Europäischen Union, aus dem Italien Milliarden erhält, soll Impulse liefern – doch die Mittel müssen erst wirksam in Projekte fließen. Ökonomen mahnen, dass Italien seine strukturellen Schwächen angehen muss, um im internationalen Umfeld nicht dauerhaft zurückzufallen.




















